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Meteorologie: Geheime Wetterstation der Nazis in der Arktis wiederentdeckt

72 Jahre galt sie als Mythos, es existierte kein handfester Beweis. Doch russische Polarforscher fanden Überreste der taktischen "Schatzgräber"-Station auf Alexandraland.
Russischer Eisbrecher durchkreuzt die Arktis

Die russische Arktisinsel Alexandraland gehört zu den abgelegensten und unwirtlichsten Regionen der Erde. Und sie war Schauplatz einer der wohl geheimnisvollsten Operationen des Dritten Reichs im hohen Norden: 1943 errichteten und betrieben Meteorologen eine taktische Wetterstation namens Schatzgräber – 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt und zwei Jahre nachdem Adolf Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion angegriffen hatte. Die hier erhobenen Wetterdaten sollten helfen, die Bewegung von Truppen, Waffen und Schiffen besser zu planen.

Lange rankte sich ein Mythos um die Station: Es existierten zwar schriftliche Aufzeichnungen, aber keine handfesten Belege. Erst 2016 gelang es russischen Polarforschern, die Überreste von "Schatzgräber" aufzuspüren und zu dokumentieren, wie unter anderem der "Independent" berichtet. Insgesamt sicherten die Wissenschaftler 500 Objekte wie Patronenhülsen, Bunkerreste, meteorologische Messinstrumente, persönliche Gegenstände und sogar noch Dokumente, die Hakenkreuze und andere Kennzeichen des Dritten Reichs tragen. Die Kälte hatte die Hinterlassenschaften gut bewahrt. Laut Evgeny Ermolov, einem Forscher des Arktisnationalparks Russlands, sollen die Artefakte zurück auf das Festland gebracht und restauriert werden, so dass sie später vielleicht Teil einer Ausstellung werden.

© cd@ruptly.tv
Überreste der Schatzgräber-Station?

Insgesamt zehn Meteorologen wurden für ihre Mission auf einem tschechischen Berg ausgebildet und im September 1943 nach Alexandraland verschifft, wo sie die Station errichteten. Bis zum Mai 1944 erhoben sie dort Wetterdaten, dann wurde ein Großteil der Besatzung krank. Die Männer hatten rohes Eisbärenfleisch gegessen und erkrankten deshalb an Trichinellose. Diese Wurmerkrankung wird über ungenügend erhitztes Fleisch übertragen und kann tödlich enden. Bis auf einen Sanitäter klagten alle Männer über Schmerzen in den Beinen und hohes Fieber. Eine sofort eingeleitete Evakuierungsmission per Flugzeug blieb jedoch lange erfolglos; erst im Juli konnten die bereits halluzinierenden Mitarbeiter ausgeflogen werden.

Angeblich wurde die Station damals zerstört, und lange konnte die Region nicht durchsucht werden, da noch Minen auf der Insel vorhanden waren. Diese wurden in den 1990er Jahren geräumt, dennoch dauerte es weitere 26 Jahre, bis die russische Expedition die Reste von "Schatzgräber" endlich aufgespürt hat. Eisbären gehören übrigens zum normalen Berufsrisiko in diesen Breiten, wie ebenfalls russische Meteorologen auf der Arktisinsel Troynoy dieses Jahr erfuhren. Wochenlang belagerten die Tiere die örtliche Wetterstation und ließen sich nicht vertreiben, so dass die Forscher ihre Arbeit weitgehend einstellen mussten.

43/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 43/2016

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