Direkt zum Inhalt

News: Gehemmte Drogensucht

Ehemalige Drogensüchtige kämpfen oft ein Leben lang gegen einen möglichen Rückfall. So steigert nach offenbar allein die Umgebung, in der sie früher Drogen konsumierten, die Sehnsucht nach dem Stoff. Doch eine als Epilepsie-Medikament eingesetzte Substanz kann zumindest bei Laborratten dieses Risiko mindern.
Obwohl sie alle süchtig machen, haben nicht alle Drogen einen schlechten Ruf. So sind Alkohol und Nikotin mehr oder weniger gesellschaftlich anerkannt, bergen aber ebenso ein Suchtpotenzial wie Kokain und aufputschende Amphetamine. Dass es ist nicht einfach ist, diese Sucht zu überwinden, ist kein Geheimnis. Denn die Stoffe setzen im Gehirn einen Botenstoff frei, der direkt auf das Belohnungszentrum wirkt: Dopamin. Doch auch ohne den Stoff zu konsumieren, kann der Spiegel von Dopamin im Gehirn steigen, wie Wissenschaftler des Brookhaven National Laboratory nun bei Laborratten zeigen konnten. Hierzu trainierten sie die Tiere – wie den Pawlowschen Hund –, allein auf äußere Reize zu reagieren.

So gewöhnten sie einer Gruppe der Tiere an, dass es in einer bestimmten Umgebung immer die Droge Kokain gibt. Die Kontrolltiere hingegen waren nie mit dem Stoff in Kontakt gekommen. Setzen die Abhängigen anschließend einen Fuß in die gewohnte, mit Drogenkonsum assoziierte Umgebung, so steigerte allein der Anblick ihren Dopaminspiegel im Gehirn um 25 Prozent, während die Kontrolltiere unbeeindruckt blieben. Dieses Ergebnis korreliert mit den Geschichten ehemals Drogenabhängiger, die eine mit ihrer Sucht in Verbindung stehende Umgebung als potenzielle Gefahr eines Rückfalls beschrieben.

Um die Sehnsucht nach der Droge zu verringern, testeten die Forscher das bislang als Epilepsie-Medikament eingesetzte Mittel gamma-vinyl-GABA (GVG). GVG senkt indirekt den Gehalt an Dopamin, indem es in seinen Stoffwechsel eingreift. Denn GVG hemmt ein Enzym, das wiederum die Synthese von gamma-Amino-Buttersäure (GABA) unterbindet. So kommt es nach Einnahme von GVG zu einem Überschuss an GABA, der das überflüssige Dopamin wieder reduziert. Doch bevor die hoffnungsvolle Substanz auch Menschen von einem Rückfall in den Drogenkonsum kuriert, muss sie erst noch ihre Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien unter Beweis stellen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen
Brookhaven National Laboratory
European Journal of Pharmacology 414(2–3): 205–209 (2001)

Partnerinhalte