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Bewegung: Gehen verändert die Wahrnehmung

Wenn Forscher die visuelle Wahrnehmung von Versuchspersonen untersuchen, müssen diese oft ruhig im Scanner liegen. Dabei könnte ihnen einiges entgehen.
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Wenn wir uns bewegen, verarbeitet unser Gehirn visuelle Eindrücke offenbar anders, als wenn wir stillstehen. Darauf deutet eine Untersuchung hin, die Barbara Händel und Liyu Cao von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Fachmagazin »PLOS Biology« veröffentlicht haben. Die Wissenschaftler statteten 30 Versuchspersonen mit Videobrillen aus und baten sie, frei im Raum umher zu laufen. Dabei präsentierten sie ihnen ein Streifenmuster, das sich mal mehr, mal weniger gut von seinem Hintergrund abhob. Parallel dazu maßen sie mit Hilfe einer Elektrodenkappe die Gehirnströme der Teilnehmer.

Die Wissenschaftler stießen sowohl per EEG als auch per Verhaltenstest auf Unterschiede in der visuellen Wahrnehmung der Probanden – je nachdem, ob sich diese bewegten oder nicht: Beim Gehen verarbeitete das Gehirn der Testpersonen Signale aus der Peripherie des Sichtfeldes stärker als im Ruhezustand. Das ging im EEG unter anderem mit einer Abnahme jener Signale einher, die normalerweise die Verarbeitung solcher Reize hemmen, damit wir uns auf das, was sich im Zentrum unseres Blickfeldes abspielt, konzentrieren können.

Für Studienautorin Händel ergibt das Sinn: »Es ist vor allem die periphere visuelle Information, die uns Aufschluss über die Richtung und Geschwindigkeit unserer Bewegung gibt und damit für unsere Navigation eine wichtige Rolle spielt«, erklärt die Neurowissenschaftlerin in einer Pressemitteilung der Universität. In vielen Forschungsarbeiten fallen solche Unterschiede in der Wahrnehmung nicht auf, da die Versuchspersonen oftmals untersucht werden, während die still im Hirnscanner liegen und nach Möglichkeit nicht einmal blinzeln.

Verschiedene Studien hätten jedoch gezeigt, dass Menschen zum Beispiel besser lernen, wenn sie sich bewegen, so Händel. Die Forscher wollen den Zusammenhang zwischen unserer Wahrnehmung und unseren Bewegungen deshalb in weiteren Untersuchungen noch genauer ergründen: Gilt das Phänomen zum Beispiel auch für den Input aus anderen Sinneskanälen? Und wie sieht es mit unserem Gedächtnis oder gar mit unserer Kreativität aus?

48/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 48/2019

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