Direkt zum Inhalt

Impfdurchbrüche: Covid-Tote trotz Impfung waren meist schwer vorerkrankt

Auch vollständig Geimpfte können noch an Covid-19 sterben. Das betrifft alte und schwer kranke Menschen: Covid-Tote trotz Impfung haben im Schnitt 2,9 weitere Todesursachen.
Johanna Hinrichsen (l), Fachkrankenschwester für Intensivpflege am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, und Steffen Ochs, Teamleiter Pflege, stehen am Bett eines am Coronavirus erkrankten Patienten.

Wie das Beispiel des früheren US-Außenministers Colin Powell zeigt, können auch vollständig geimpfte Menschen an einer Sars-CoV-2-Infektion sterben. Die Impfungen schützen nicht zu 100 Prozent vor schweren Verläufen. Doch nicht alle Menschen haben das gleiche Risiko, trotz Impfung an Covid-19 zu erkranken oder gar zu sterben. Für eine nun in »The Lancet« erschienene Studie untersuchten Forschende von mehreren schottischen Universitäten dazu die Datenlage in ihrem Land. In Schottland starben insgesamt 236 zweimal geimpfte Personen, 0,007 Prozent der voll Immunisierten an Covid-19. Davon hatten 47 Personen den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten, 188 Personen die AstraZeneca-Vakzine. Das mittlere Alter der Gestorbenen lag bei 79,5 Jahren, 61,8 Prozent waren Männer.

Da unter den Covid-19-Toten keiner mit dem deutlich seltener eingesetzten Impfstoff von Moderna geimpft worden war, wurde dieser in der Studie nicht berücksichtigt. Zum Untersuchungszeitpunkt am 18. August 2021 waren in Schottland mehr als 3,2 Millionen Menschen vollständig geimpft, 73,6 Prozent der Bevölkerung. Bei 230 (97 Prozent) der Gestorbenen war auf dem Totenschein mindestens eine weitere Todesursache zusätzlich zu Covid-19 aufgeführt. Durchschnittlich 2,9 Todesursachen außer Covid-19 wurden auf den Totenscheinen vermerkt, die Spanne reichte von einem bis acht weiteren Sterbegründen.

Die häufigsten zusätzlichen Todesursachen waren chronische Herzerkrankungen, chronische Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und Vorhofflimmern. Nach Berechnungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler steigt das Risiko, trotz Impfung an Sars-CoV-2 zu sterben, mit der Zahl der chronischen Erkrankungen: Männer und Frauen mit mehr als fünf Komorbiditäten hatten ein zehnmal höheres Risiko zu sterben als Menschen ohne Vorerkrankungen. Männer waren 2,7-mal gefährdeter als Frauen. Auch hatten die Personen, bei denen erst im Krankenhaus klar wurde, dass sie an Covid-19 erkrankt sind, ein gut zehnmal höheres Sterberisiko als diejenigen, die ambulant diagnostiziert wurden.

Covid-19-bedingte Todesfälle unter den vollständig mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer oder AstraZeneca Geimpften seien extrem ungewöhnlich, fassen die Autorinnen und Autoren ihre Ergebnisse zusammen. Am häufigsten sterben Menschen, die älter als 75 Jahre sind und zahlreiche Komorbiditäten haben. Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen, wie wichtig auch weiterhin das Einhalten von Vorsichtsmaßnahmen gegen das Virus ist – insbesondere für ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Colin Powell starb übrigens im Alter von 84 Jahren. Es wurde bekannt, dass er unter einem multiplen Myelom gelitten hatte.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte