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Geisterspiele: Heimvorteil gibt es auch ohne Zuschauer

Nach gut einem Jahr Geisterspiele ist klar: Für einen ordentlichen Heimvorteil braucht es weder Fangesänge noch leicht zu beeinflussende Schiedsrichter.
Höchstens ultrasüß: Pappaufsteller ersetzen keine Fans

Entscheidend ist auf'm Platz: Selbst wenn kaum ein Zuschauer auf den Rängen sitzt, schwindet der Heimvorteil nicht. Das haben jetzt Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule in Köln errechnet. Das bedeutet: Geisterspiele hin oder her, es gewinnt nach wie vor häufiger die Heimmannschaft als die Gastmannschaft.

Woher der Vorteil des Gastgebers kommt, dafür wurden in der Vergangenheit zahlreiche Faktoren herangezogen. Naheliegend ist die Erklärung, dass die lautstarken Fangesänge die Heimmannschaft zu einem besseren Spiel motivieren. Möglich ist aber auch, dass die Fans eher auf die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter wirken, die angesichts der Geräuschkulisse nicht mehr so unparteiisch sind, wie sie es eigentlich sein sollten.

Doch alle diese Erklärungsansätze verfangen nicht, wenn wegen Hygienebestimmungen und Corona-Pandemie das Stadion leer ist und die Heimmannschaften trotzdem häufiger gewinnen. Dass sie dies tun, haben Daniel Memmert und Fabian Wunderlich von der Sporthochschule jetzt nachgewiesen. »Wir haben mehr als 40 000 Spiele vor und während der Pandemie analysiert«, sagt Memmert. Darunter waren mehr als 1000 Profispiele ohne Zuschauer in den wichtigsten europäischen Fußballligen. Auch Wettquoten spiegelten nach wie vor den Heimvorteil wider, so die Wissenschaftler.

Anders sind die Geisterspiele trotzdem. Fehlen die Zuschauer, spielen die Gäste tatsächlich etwa genauso offensiv wie die Gastgeber – ablesbar an der Zahl der Torschüsse, die sich aneinander angleicht. Auch sehen beide Mannschaften gleich häufig Gelb oder Rot. Und dennoch bleibe der Heimvorteil bestehen. Er müsse demnach eine andere Ursache haben. Das Team tippt auf »das Territorialverhalten der Heimmannschaft in gewohnter Umgebung«.

Deshalb kämen selbst Freizeitkicker in den Genuss des Heimvorteils, obwohl bei ihnen ohnehin nur wenige Zuschauer zu den Spielen kommen. Das erläutert Koautor Matthias Weigelt von der Universität Paderborn. Er steuerte zur statistischen Analyse die Daten von 6000 Amateurspielen der Kreisliga A bei. Sie halfen, noch eine weitere Erklärung zu entkräften: dass die strapaziöse Anreise der Gastmannschaft zu schaffen mache. Die fällt nämlich bei Spielen auf Kreisebene nicht ins Gewicht.

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