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Sommerloch heute: Geldwäsche gegen Grippe-Pandemie?

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Grippeviren können mehrere Tage auf Schweizer Geldscheinen überdauern. Kommt noch schnupfiger Nasenschleim dazu, sind die Banknoten selbst nach über zwei Wochen noch ansteckend, berichten Forscher um Yves Thomas vom Universitätsklinikum Genf. Auftraggeber der Studie und Scheinlieferant zu Untersuchungszwecken war die Schweizerische Nationalbank, die sich angesichts des täglichen Geldverkehrs Sorge um ihre Angestellten und Kunden machte.

Die Wissenschaftler hatten verschiedene Virenstämme auf die Scheine aufgetragen, bei Raumtemperatur gelagert und dann geprüft, wie lange die Erreger ansteckend blieben.
Auch die Wissenschaft kennt ein Sommerloch. Mehr und mehr fluten dann Ergebnisse die Medien, die sonst kaum den Weg in die Berichterstattung finden. Mit der Reihe "Sommerloch heute" möchten wir Ihnen eine Auswahl präsentieren.
Einige verloren schon nach zwei Stunden ihre Infektiösität, das verbreitete H3N2-Grippevirus jedoch hielt drei Tage durch. Bei Zugabe von Nasenschleimtropfen verlängerte sich die Spanne erheblich bis auf maximal 17 Tage.

Allison McGeer, Expertin für Infektionskrankheiten am Mount Sinai Hospital in Toronto, ist nicht überzeugt. Dass die Viren in einem bestimmten Umfeld überdauern, bedeute schließlich nicht automatisch, dass sie auf diesem Wege auch übertragen werden. "Es gibt keinen Beweis dafür, dass Menschen, die mit Geldscheinen arbeiten, häufiger an Grippe leiden als andere", betont sie. Aber natürlich werde man nun fragen, ob das bislang überhaupt untersucht wurde, gibt sie zu.

Und noch ein weiteres Gegenargument kommt aus Toronto: Die höchsten Infektionsraten liegen bei Kindern, und diese hantieren nicht so häufig mit Geldscheinen – was eine Ausbreitung auf monetärem Weg eher unwahrscheinlich macht. Aber, liebe Eltern: Es wäre höchst unfair, eine Grippewelle mit Taschengeldkürzungen zu begleiten.

Der internationale Geldverkehr ist seinerseits Vorbild für viele epidemiologische Modelle zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten. (af)
26.06.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 26.06.2007

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