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Genetik: Genom des Elephantiasis-Erregers entziffert

Ein internationales Forscherkonsortium hat das Erbgut von Brugia malayi entziffert. Der parasitische Fadenwurm löst durch Lymphstau Elephantiasis aus, bei der Haut und Unterhautgewebe extrem anschwellen und die betroffenen Körperteile wie Gliedmaßen oder Hoden elefantenartig deformieren.

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Fadenwurmdoppel | Brugia malayi im direkten Vergleich mit dem großen Cousin Caenorhabditis elegans: Das entzifferte Genom des Elephantiasis-Erregers soll neue Ansatzstellen für Medikamente liefern.
Das neunzig Millionen Basenpaare umfassende Genom des Wurms enthält geschätzt 14 500 bis 17 800 Gene. Ein Fünftel davon ist spezifisch für B. malayi, wie die Forscher um Elodie Ghedin von der Universität Pittsburgh aus einem Sequenzvergleich mit Caenorhabditis elegans schließen, dessen Genom mit hundert Millionen Basenpaaren und fast 20 000 Genen etwas größer ist.

Die Forscher hoffen, dass sie aus den nun sequenzierten Protein-Bauanleitungen Kandidaten ableiten können, die sich für neue Medikamente und Bekämpfungsstrategien eignen. Dazu zählen beispielsweise Gene, die beim Häutungsprozess während der Larvenentwicklung eine Rolle spielen oder in der neuronalen Kommunikation. Außerdem stießen die Wissenschaftler auf zahlreiche Sequenzen, deren Genprodukte in das Immunsystem der Wirte einzugreifen scheinen und so verhindern, dass die Parasiten von der Körperabwehr getötet werden.

B. malayi kommt ausschließlich in Südostasien und Indonesien vor. Er wird von verschiedenen Stechmücken-Arten übertragen, die junge Larven – Mikrofilarien – im Blut eines infizierten Menschen aufnehmen. Nach zwei weiteren Larvenstadien gelangen die Filarien schließlich bei einem erneuten Stich aus der Mücke wieder in den Menschen, wo die ausgewachsenen Tiere mehrere Jahre überleben und sich fortpflanzen.

Die medikamentöse Behandlung tötet allein die Mikrofilarien ab, die sich unter der Haut sammeln, nicht jedoch die Elterntiere. Durch die ständige Neuinfektion müssten die Betroffenen daher über Jahrzehnte hinweg behandelt werden, doch lösen die Medikamente auch schwere Nebenwirkungen aus. Für das wichtigste Mittel, Diethylcarbamacin, wurden zudem erste Resistenzen berichtet. Weitere Komplikationen entstehen, wenn die entstellenden Schwellungen sich zu festem Gewebe mit Blutgefäßen und Nervenendigungen entwickeln und nur noch operativ entfernt werden könnten. Auch können sich die betroffenen Gewebe entzünden oder absterben.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit etwa 150 Millionen Menschen mit Filarien wie B. malayi, Wuchereria bancrofti, einem weiteren Elephantiasis-Erreger, oder Onchocerca volvulus, dem Erreger der Flussblindheit, infziert sind; die meisten davon leben in Entwicklungsländern. (af)
21.09.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21.09.2007

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