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Genomanalyse: Pocken plagen die Menschen bereits seit dem alten Ägypten

Gibt es Pockenviren viel länger als bisher angenommen? Genomanalysen legen nahe, dass Pocken bereits vor 3800 Jahren existierten.
Pockenvirus-Zellen
Pocken werden auch als Blattern bezeichnet. Die Erkrankung wird von Pockenviren (Orthopox variolae) hervorgerufen.

Seit Langem wird über den Ursprung einer der größten Seuchen der Menschheitsgeschichte gerätselt: der Pocken. Dieser Krankheit, die über Variolaviren übertragen wird und zahlreiche Hautpusteln hervorruft und infolgedessen Narben hinterlässt, fielen allein im 20. Jahrhundert rund 300 Millionen Menschen zum Opfer. Dank Impfungen weltweit konnte sie 1980 offiziell von der WHO als ausgerottet erklärt werden. Bislang nicht abschließend geklärt ist jedoch, wann das Pockenvirus zum ersten Mal auftrat. Forscherinnen und Forscher aus Italien sind überzeugt, dass das Virus 2000 Jahre weiter zurückreicht, als bisher nachgewiesen werden konnte. Laut ihren Untersuchungen hat das Pockenvirus schon zur Zeit des alten Ägypten die Menschen geplagt. »Das Variolavirus ist möglicherweise viel, viel älter, als wir dachten«, sagt Diego Forni, Erstautor der Studie. Seine Ergebnisse veröffentlichte das Forscherteam im Fachmagazin »Microbial Genomics«.

Mit Hilfe genetischer Sequenzierungen führten Forschende in den vergangenen Jahren immer detailliertere Analysen alter Virus-DNA durch und gingen somit der Frage nach, wann und wo die Pocken erstmals aufgetreten sind. 2016 konnten mit DNA-Analysen Pocken bei einer Mumie aus Litauen aus dem 17. Jahrhundert nachgewiesen werden. Im Jahr 2020 erbrachten Untersuchungen von Skeletten aus der Wikingerzeit den genetischen Beweis, dass die Viren bereits um 1050 existieren. Historiker vermuteten schon länger, dass es die Pocken allerdings bereits lange davor gegeben hat, da beispielsweise die Mumie des Pharao Ramses V. Anzeichen von charakteristischen Narben aufweist – bislang jedoch ohne konkreten wissenschaftlichen Beweis für diese Theorie.

Das italienische Forscherteam verglich für seine Untersuchungen 54 Genome moderner und historischer Stämme des Pockenvirus, um die Entwicklungsgeschichte der Pocken daraus abzuleiten. Dazu zählten vier Genome von Variolaviren aus der Wikingerzeit, je ein Genom aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie 48 Genome aus der Zeit kurz vor der Ausrottung der Pocken im Jahr 1980. Die Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass die verschiedenen Pockenstämme alle von einem einzigen gemeinsamen Vorfahren abstammen. Sie errechneten aus ihren Daten eine Schätzung, wann das Virus entstanden sein könnte. Laut ihren Analysen und Berechnungen müsste der jüngste gemeinsame Vorfahre der 54 Proben vor etwa 3800 Jahren existiert haben – also etwa 1800 v. Chr. und somit auch später 1200 v. Chr., als Ramses V. lebte.

Ein direkter Beweis, dass der Pharao an Pocken erkrankt war, ist dies natürlich nicht. Möglich ist auch, dass Ramses V. einen Erreger hatte, der lediglich ähnliche Symptome wie eine Pockeninfektion hervorrief. »Eine Reihe anderer Infektionskrankheiten verursachen einen Ausschlag, der den Pocken ähnelt. Nur die Sequenzierung archäologischer Proben könnte Aufschluss darüber geben, welche Kulturen von der Krankheit wirklich betroffen waren«, erklären die Forscher und Forscherinnen in ihrer Veröffentlichung.

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