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News: Genregion für Neurodermitis entdeckt

Neurodermitis ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter. Zusammen mit Asthma und Heuschnupfen gehört sie zu den allergischen Erkrankungen. Erbliche Faktoren und Umweltfaktoren bestimmen das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. Wissenschaftler haben in einer europaweiten Studie erstmals eine Genregion auf Chromosom drei identifiziert, die ein Krankheitsgen der Neurodermitis enthält.
In den industrialisierten Ländern leiden 10 bis 15 Prozent aller Kinder an Neurodermitis. Die Krankheit tritt meist schon im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Die frühkindliche Neurodermitis bedeutet für viele Kinder den Anfang eines Lebens als Allergiker. "Obwohl sie mit zunehmendem Alter schwächer wird oder verschwindet, tragen die Kinder, die eine Neurodermitis hatten, ein deutlich erhöhtes Risiko, später an Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken", sagt Young-Ae Lee. Die Kinderärztin und Wissenschaftlerin arbeitet an der Charité-Kinderklinik und am Zentrum für Genkartierung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC).

In der Studie untersuchten Wissenschaftler aus der Bundesrepublik, Italien, Schweden und den Niederlanden drei Jahre lang fast 200 Familien mit über 800 Mitgliedern. Jede der untersuchten Familien hatte mindestens zwei Kinder, die vor dem zweiten Geburtstag an Neurodermitis erkrankt waren. Erstmals wurden in dieser Studie alle Chromosomen systematisch durchmustert, um nach solchen Genregionen zu suchen, die gemeinsam mit der Erkrankung vererbt worden sind. Es zeigte sich, dass die Neurodermitis besonders häufig mit einem bestimmten Abschnitt des Chromosoms drei vererbt wird. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass sich in dieser Region ein Gen befindet, das ursächlich an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt ist (Nature Genetics vom Dezember 2000).

Die meisten Kinder, die an Neurodermitis erkrankt sind, bilden "Allergie-Antikörper", so genannte Immunglobuline (IgE) gegen Nahrungsmittel- oder Umweltallergene. Dreiviertel der 421 in der Studie untersuchten Kinder mit Neurodermitis hatten Allergien. Eine erbliche Anlage zur Allergieneigung konnte an demselben Genort auf Chromosom drei wie die Neurodermitis festgemacht werden. Hierbei zeigte sich, dass es insbesondere dann zur Allergie kommt, wenn dieser Genort von der Mutter ererbt worden ist, während die Vererbung vom Vater kaum eine Wirkung auf die Allergieentwicklung zeigte. In einem nächsten Schritt soll jetzt das Gen, das die Neurodermitis auslöst, identifiziert werden. "Wir gehen davon aus, dass die Krankheitsneigung auf Veränderungen im Gen beruht. Wenn wir herausfinden, wie dieses Gen zur Entstehung von Neurodermitis und Allergien beiträgt, können wir in Zukunft gezielte Behandlungskonzepte entwickeln", sagt Lee.

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