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News: Gentherapie macht erste Punkte

Einen revolutionären Weg in der Therapie wollten Mediziner zu Beginn der 80er Jahre einschlagen: Fremde Gene sollten in defekte Zellen eindringen und dort Erbgut-Fehler kompensieren. Zwar konnte bereits früh eine Patientin von einer seltenen Erbkrankheit geheilt werden, doch der erwartete Siegeszug der Gentherapie blieb bis heute aus. Neue Ideen helfen dem Verfahren jetzt aus der Stagnation - erstmals zeigt eine Gentherapie Wirkung gegen Krebs.
Um die medizinische Allzweckwaffe Gentherapie ist es still geworden. Doch jetzt gibt es einen Lichtblick: Erstmals drängt eine Gentherapie Krebs erfolgreich zurück. Dabei spritzten Mediziner der University of Southern California in Los Angeles ein präpariertes Adeno-Virus, dessen Verwandte beim Menschen normalerweise Erkältungen verursachen, direkt in Tumore hinein. "Onyx 015", so der Name des Virus, suchte und besetzte dann speziell Zellen, denen der Faktor p53 fehlte. Fehlt dieses Protein, so verliert die Zelle die Fähigkeit zum Selbstmord bei schweren Defekten, Krebs wird möglich. Überdies stehen gerade diese entarteten Zellen im Verdacht, auf Chemotherapien nur schlecht anzusprechen (Nature-Medicine, August 2000).

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 30 Patienten mit Onyx 015 behandelt, bei 25 davon konnten positive Veränderungen festgestellt werden. Nach einem halben Jahr zeigten 19 Probanden unter einer kombinierten Behandlung mit Gen- und Chemotherapie deutlich größere Fortschritte als eine Vergleichsgruppe, die nur die herkömmlichen Chemotherapeutika erhalten hatten. "Wir können nicht sagen, dass die Gentherapie den Krebs geheilt hat, aber trotzdem ist es die erste erfolgreiche, vorläufige klinische Studie", meint French Anderson, Pionier der Gentherapeuten von der University of Southern California.

Der Erfolg des kalifornischen Ansatzes belegt allerdings nur, dass diese Behandlungsform herkömmliche Therapien unterstützen kann. "Wahrscheinlich wird diese Kombination von Chemo- und Gentherapie zum vorherrschenden Behandlungsprinzip in den kommenden Jahren werden", spekuliert Anderson. Bis das Verfahren wirklich eingesetzt werden kann, sind allerdings noch weitere jahrelange Untersuchungen notwendig.

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