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Humangenetik: Genvarianten für Herzinfarktrisiko

Wissenschaftler aus Europa, Amerika und Asien haben mehrere Varianten im menschlichen Erbgut aufgespürt, die das Risiko für Herzinfarkt erhöhen. Damit sind jetzt etliche Gene bekannt, die für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind.

Jeannette Erdmann von der Universität Lübeck und ihre Kollegen entdeckten auf dem Chromosom 3 eine Version des Gens MRAS, dessen Träger ein erhöhtes Krankheitsrisiko tragen [1]. Das Gen spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Blutgefäßen.

Wissenschaftler um David-Alexandre Trégouët von der Université Pierre et Marie Curie in Paris machte eine Risikoregion auf Chromosom 6 ausfindig [2]. Das entsprechende Gen SLC22A3-LPAL2-LPA kodiert für Lipoprotein A, das schon lange als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt ist.

Eine japanisch-taiwanesische Arbeitsgruppe um Kouichi Ozaki vom Forschungszentrum Riken in Yokohama fanden eine Variante im Gen BRAP, welches das Risiko für Herzinfarkt erhöht [3]. Das entsprechende Protein bindet an zwei weitere Proteine, die bereits als Risikofaktoren für Entzündungen gelten.

Unter der Federführung von Sekar Kathiresan vom Massachussett General Hospital in Boston identifizierten die zum Myocardial Infarction Genetics Consortium zusammengeschlossenen Wissenschaftler drei weitere bislang unbekannte Herzinfarktgene auf den Chromosomen 2, 6 und 21 [4]. Bei sechs bereits vermuteten Genvarianten konnte die Forscher das erhöhte Risiko bestätigen.

Und schließlich fanden Wissenschaftler um Daniel Gudbjartsson vom isländischen Konzern DeCode in Rejkjavik fünf Genorte, welche die Zahl der eosinophilen Granulozyten erhöht [5]. Diese weißen Blutkörperchen sind bei Entzündungsreaktionen beteiligt und spielen bei Herzattacken ebenfalls eine Rolle.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 750 000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die zugrunde liegende Atherosklerose der Herzkranzarterien und der Herzinfarkt gehören in Deutschland zu den mit Abstand häufigsten Todesursachen. Neben schon lange bekannten Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Rauchen und Übergewicht zeichnet sich immer mehr ab, dass auch die Genetik eine erhebliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen. (aj)

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