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Geologie: Der Tsunami von Palu

Vor zwei Jahren traf ein mörderischer Tsunami die indonesische Stadt Palu. Verantwortlich könnte ein seltenes geologisches Phänomen gewesen sein.
Brücke in Palu nach dem TsunamiLaden...

Update: Die wissenschaftliche Veröffentlichung, auf der diese Meldung beruhte, wurde von der Fachzeitschrift »Nature Geoscience« aus nicht genannten Gründen zurückgezogen. Die im Text beschriebene Interpretation der geologischen Vorgänge ist also möglicherweise nicht korrekt. Wir bitten die Verwirrung zu entschuldigen.

Das Sulawesi-Erdbeben vom September 2018 gibt Geologen bis heute Rätsel auf. Es löste in der Bucht von Palu einen Tsunami aus, der kurz darauf die gleichnamige Stadt traf und dort hunderte Menschen tötete. Sonderbar daran war, dass das Erdbeben eigentlich keine solche Flutwelle hätten hervorbringen sollen: Bei ihm verschoben sich zwei Blätter der Molukkensee-Mikroplatte lateral gegeneinander, also ohne dabei nennenswert in die Tiefe zu sacken. Letzteres gilt jedoch in den meisten geologischen Situationen als Voraussetzung dafür, dass sich ein Tsunami bildet.

Geophysiker um Faisal Amlani von der University of Southern California haben nun eine mögliche Erklärung gefunden: Das geologische Pendant eines Überschallknalls könnte die Erdbebenwellen zu einer Schockwelle mit starker vertikaler Auslenkung aufgepeitscht haben. Voraussetzung dafür ist ein superschnelles Erdbeben (englisch: supershear earthquake); bei solchen reißt die Verwerfung schneller auf, als sich die seismischen Wellen ausbreiten können. In diesem Fall überlagern sich die Erschütterungen in einem nach hinten gerichteten Trichter – ganz so wie die Schallwellen eines Düsenjets, der die Schallmauer durchbrochen hat.

Vom Sulawesi-Erdbeben ist schon länger bekannt, dass hier die Verwerfung rasant aufgerissen ist. Amlani und seine Kollegen konnten nun zeigen, dass die resultierende seismische Schockfront in der seichten Bucht von Palu wohl zu dem Tsunami beigetragen hat. Die Ergebnisse ihrer Computersimulation passen jedenfalls gut zu den tatsächlich gemessenen Wasserständen während der Flutkatastrophe. Wahrscheinlich habe es jedoch noch andere Faktoren gegeben, schreibt das Team in »Nature Geoscience«. So könnten beispielsweise auch vom Erdbeben ausgelöste Erdrutsche oder ein Zurückfedern der Platten den Meeresboden in Bewegung versetzt haben.

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