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Mathematik: Geometrie im Sinn

Um zu unterscheiden, ob ein Vogelschwarm aus vielen oder aus wenigen Tieren besteht, muss man keine Zahlen können. Unsere angeborene Fähigkeit, Mengen und Größen zu erfassen, könnte aber die Grundlage für das Verständnis komplexer Mathematik sein. Wissenschaftler der Emory University in Atlanta stärken diese Annahme mit neuen Studienergebnissen. Sie konnten zeigen, dass unser Zahlensinn Konzepte von Arithmetik und Geometrie unterscheidet.

Zu diesem Schluss kamen Stella Lourenco und ihr Team durch ein Experiment, bei dem Probanden immer wieder zwei Punktwolken vergleichen mussten. Die Versuchspersonen sollten schätzen, welche Gruppe aus mehr Punkten bestand und bei welcher die Punkte zusammengenommen die größere Fläche bedeckte. Die Punktwolken wurden nur sehr kurz gezeigt, zählen war also unmöglich.

Anschließend mussten die Probanden bei einer ganzen Reihe von Tests ihre Fähigkeiten im Rechnen, in Geometrie und Mathematik allgemein unter Beweis stellen. Außerdem wurde der Intelligenzquotient gemessen.

Durch Vergleich der beiden Datensätze konnten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Ausprägung des Zahlensinns und höheren mathematischen Fähigkeiten zeigen: Die Personen, denen es leichtfiel, die Punktanzahl richtig zu schätzen, waren besonders gut im Rechnen. Menschen, die sicher erkannten, welche Punktwolke die größere Fläche bedeckte, waren hingegen besonders stark in Geometrie.

Auch für Mathe-Nieten hält die Studie einen Trost bereit: Versuchspersonen, die generell schlecht in Mathematik waren, konnten zwar weder besonders gut Mengen noch Größen schätzen, waren aber nicht generell weniger intelligent als die zielgenauen Schätzer – wer kein Mathe kann, ist also noch lange nicht dumm.

43. KW 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 43. KW 2012

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