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Geophysik: Manche Lawinen lösen sich wie Erdbeben

Die Ähnlichkeiten zwischen manchen Lawinen und Erdbeben sind größer, als man vielleicht denkt. Eine Studie könnte jetzt die Lawinenvorhersage verbessern helfen.
Lawine am Annapurna in Nepal
Am Annapurna in Nepal geht eine Pulverschneelawine ab.

Zu den größten Risiken winterlicher Skitouren abseits gesicherter Pisten gehören sicherlich abgehende Schneebretter, die sich zu Lawinen auswachsen und Menschen mitreißen können. Einer Computersimulation zufolge könnten diese Lawinen ähnlich entstehen wie bestimmte Erdbeben. Das schreiben Johan Gaume von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne und seine Arbeitsgruppe in »Nature Physics«.

Das Team hat für seine Studie hunderte Simulationen über Tage laufen lassen, um zu modellieren, wie große Schneemassen sich lösen und dann zu Tal rasen. Der Fokus lag auf Schneebrettlawinen, die am häufigsten zu tödlichen Unfällen führen. Dabei löst sich eine Schneelage am Hang und beginnt schnell nach unten zu gleiten, wobei sie weitere Schneeschichten mit sich reißt. Die Schneebretter brechen oft ab, wenn eine Belastung von oben auf sie wirkt; der Riss entlang der Abbruchkante kann sich dabei mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde fortpflanzen.

Meist kollabiert eine schwache, wenig verfestigte und poröse Schneeschicht unterhalb einer härteren, schwereren Lage, die daraufhin über diesem Untergrund abrutscht. Das beginnt zunächst langsam, doch nach wenigen Metern sorgt die Schwerkraft für Spannungen in der kompakten Schneeschicht, was sie schließlich in kleinere Teile brechen lässt: Die Lawine nimmt Fahrt auf. Diese Simulationen verglichen Gaume und Co mit dem Video einer Lawine, die der Snowboarder Mat Schaer losgetreten hat, ein ehemaliger Student von Gaume. Die Analyse des Films bestätigte dann die Simulation.

Ein ähnlicher Vorgang findet auch bei Erdbeben statt, die bei lateralen Plattenverschiebungen auftreten. Hier kann sich ein Tochterriss vor der Hauptbruchfront bilden und mit hoher Geschwindigkeit ausbreiten, während er dem großen Gesteinsbruch den Weg bereitet. Gaume und sein Team hoffen, dass ihre Studie hilft, die Lawinenvorhersage zu verbessern. Dadurch könnten Zonen etwa in den Alpen genauer ausgewiesen werden, in denen diese Lawinen vornehmlich auftreten.

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