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Geruch: Schmetterlinge lassen Rivalen abstinken

Nach dem Sex hinterlassen Schmetterlingsmännchen eine stark riechende Chemikalie. Das hält andere von ihren Weibchen ab. Der Duft: Blume.
Schmetterlinge der Art Heliconius melpomene leben etwa sechs Monate.Laden...

Sich gut riechen zu können, ist auch unter Schmetterlingen wichtig. Um Rivalen fernzuhalten, verteilen Männchen der Art Heliconius melpomene deshalb bei der Paarung einen stark riechenden Libido-Killer: β-Ocimen. Der Geruch halte andere Männchen auf Abstand, heißt es in einer Studie im Magazin »PLOS Biology«. Das für die Produktion des Stoffs verantwortliche Gen haben die Autorinnen und Autoren nun identifiziert.

Schon vor dieser Veröffentlichung war bekannt, dass Pflanzen die chemische Verbindung herstellen können. Faszinierend, gar ironisch: Einige Blumen locken mit β-Ocimen Schmetterlinge zur Bestäubung an.

»Lange Zeit dachte man, dass Insekten die chemischen Verbindungen von den Pflanzen nehmen und sie dann nutzen«, erklärt Kathy Darragh, eine der Hauptautorinnen und Doktorandin in der Butterfly Genetics Group in Cambridge. Aber ihr Team hat gezeigt, dass Schmetterlinge die Chemikalie in ihren Genitalien selbst herstellen können – wenn auch mit ganz anderen Absichten: »Männliche Schmetterlinge wehren damit Konkurrenten ab, und Blumen verwenden den gleichen Geruch, um Schmetterlinge zur Bestäubung anzulocken.« Das belege erstmals, dass sich Schmetterlinge und Blumen unabhängig voneinander entwickelt haben und dieselbe Chemikalie für unterschiedliche Zwecke herstellen.

Die Macht des Geruchs

Die farbenfrohen Heliconius melpomene kommen in ganz Mittel- und Südamerika vor und werden bis zu sechs Monate alt. Die Weibchen können Spermien von mehreren Sexualpartnern speichern und so ihre Eier über viele Monate befruchten. Die Männchen hingegen versuchen, sich zu paaren, wann immer sie können, und haben damit viel Konkurrenz.

Weniger wird es, wenn das Weibchen nach der Paarung genügend Ocimen aufgelegt hat. Indem er andere fernhält, erhöht der blumige Duft die Wahrscheinlichkeit, dass das Sperma eines einzigen Männchens für Nachkommen sorgt.

Woher die Schmetterlinge wissen, wann eine Blume lockt und wann ein Rivale warnt? Die Umgebung sei entscheidend, sagt Darragh. »Wenn der Duft in der Nähe von Blumen wahrgenommen wird, ist er attraktiv, aber wenn er auf einem anderen Schmetterling gefunden wird, ist er für die Männchen abstoßend – der Kontext ist der Schlüssel.«

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