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Mars-Missionen: Gerüchte zwingen Marsforscher in die Offensive

Die Raumsonde Phoenix hat bei ihren letzten Analysen des Marsbodens uneindeutige Ergebnisse erhalten, welche die NASA nun aber dennoch verfrüht veröffentlichen musste. Schuld daran sind falsche Gerüchte über einen möglichen Fund von Leben auf dem Roten Planeten, die sich zu verselbstständigen drohten und offenbar eine Gegendarstellung nötig machten.

360-Grad-Farbpanorama der US-Raumsonde PhoenixLaden...
360-Grad-Farbpanorama der US-Raumsonde Phoenix | Das erste Vollpanorama des Landeplatzes von Phoenix veröffentlichte die NASA am 31. Juli 2008.
Ausgangspunkt für Spekulationen waren teilweise durchgesickerte Phoenix-Ergebnisse der letzten Tage. Dabei hatte ein Instrument der Sonde – der Analysator MECA (Microscopy, Electrochemistry and Conductivity Analyzer) – Spuren von Perchlorat-Ionen in einer Marsbodenprobe nachgewiesen. Dieses Ergebnis bestätigte sich indes nicht in einer zweiten Probe, die von dem Instrument TEGA (Thermal and Evolved-Gas Analyzer) untersucht worden war, wobei keine Hinweise auf die Substanz gefunden wurden. Bislang ist daher nicht ganz klar, ob tatsächlich Perchlorat-Salze auf der Marsoberfläche vorkommen. Dies zu klären wäre allerdings hochinteressant: Das toxische Oxidationsmittel Perchlorat (ClO4-) würde Leben in seiner Umgebung wohl unmöglich machen.

Wahrscheinlich vor diesem Hintergrund leitete ein US-amerikanisches Fachblatt einen Bericht vor vier Tagen mit den missverständlichen Worten ein, "unveröffentlichte" Phoenixanalysen würden "Hinweise auf die Möglichkeit von Leben auf dem Mars" offenbaren. Zudem sei "das Weiße Haus" vorab über die Resultate informiert worden. Diese Formulierung hatte per Stille-Post-Desinformationskette schließlich wilde Spekulationen in einschlägigen Presseprodukten, Internetforen und Blogs hervorgerufen. Die NASA sah sich offenbar deshalb gezwungen, eine Presseerklärung nachzureichen.

Darin heißt es, ein Perchlorat-Nachweis müsse noch mit einer zweiten positiven Analyse bestätigt werden. Das "Weiße Haus" sei zudem der schlicht fachlich interessierte wissenschaftliche Berater des Präsidenten. Zudem müsse zur Sicherheit noch endgültig geklärt werden, ob das überhaupt nur womöglich entdeckte ClO4- nicht als Verunreinigung durch die Sonde selbst auf den Mars gebracht wurde. Dazu würde zum Beispiel noch einmal überprüft, ob die ausgiebigen Antikontaminationsmaßnahmen der Sonde vor dem Start von der Erde sicher ausgeschlossen haben, das Perchlorat-Verbindungen mit Phoenix auf den Mars gelangen, kommentiert der Missionsleiter Barry Goldstein.

Das Oxidationsmittel wird etwa auch in Raketentreibstoff eingesetzt, so auch in den Feststoffraketen der Delta-2, mit der Phoenix beim Start in die Umlaufbahn transportiert wurde. Eine Verunreinigung beim Start gilt allerdings aus technischen Gründen als sehr unwahrscheinlich. Die Bremsraketen von Phoenix arbeiteten bei seiner Landung auf dem Mars nicht mit Perchlorat sondern mit Hydrazin.

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Der Mars vor gut 30 Jahren | Ein Bild aus der Vergangenheit zum Vergleich: Der Lander Viking 1 funkte von 1976 bis 1982 vom Mars. Wie sein moderner Nachfolger Phoenix besaß er einen Greifarm, der Bodenproben aufsammelte und in verschiedene Analysegeräte transferierte. Die damals zum Nachweis möglichen Lebens auf dem Mars durchgeführten Analysen sorgten allerdings lange eher für Verwirrung unter Astrobiologen und Chemikern. Mittlerweile sind viele Experten der Meinung, dass Oxidationsmittel im Marsboden die damaligen Resultate erklären können.
Der Perchlorat-Fund ist nicht der erste Hinweis auf starke Oxidationsmittel im Marsboden: Bereits die zunächst merkwürdig erscheinenden Resultate der Viking-Sonden in den 1970er Jahren waren damit erklärt worden, dass Wasserstoffperoxide oder ähnliche Substanzen auf dem Roten Planeten vorkommen. Forscher hatten aber gehofft, dass solche Chemikalien zumindest am Pol des Planeten, der Landestelle von Phoenix, nicht existieren. Hier dürfte mehr Wasser im Boden ab und zu auftauen, wobei Perchlorate und Co nach und nach zerstört werden. (jo)
06.08.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 06.08.2008

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