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Kometenforschung : Gesammelter Kometenstaub überrascht Sonnensystemforscher

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Erste Untersuchungen des von der Nasa-Sonde Stardust zur Erde transportierten Kometenstaubs erschüttern Vorstellungen, die sich Forscher bislang über die Entstehung von Kometen gemacht hatten. In den Proben findet sich auch Gesteinsmaterial, das sich nur unter sehr hohen Temperaturen bildet. Bislang war man aber davon ausgegangen, Kometen gingen ausschließlich aus kalter, zentrumsferner Materie im Randgebiet des solaren Urnebels hervor.

In den Staubpartikeln des beprobten Kometen Wild 2 fanden die Wissenschaftler aber unter anderem Olivine, die mit Eisen und Magnesium angereichert sind. Solche Verbindungen entstanden wohl im Inneren der Materiewolke, aus der sich das Sonnensystem bildete, bei Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius. Über einen noch unverstandenen Mechanismus müssen sie dann in die kalten Außenbereiche gelangt sein, wo sie sich mit in der Kälte entstandenen Verbindungen zu den noch heute im Sonnensystem vorhandenen Kometen zusammenfanden.

In den Stardust-Proben ist, wie auch schon zuvor in auf der Erde gefundenen Kometenpartikeln, der Olivin-Mischkristall Forsterit entdeckt worden, dessen Schmelzpunkt bei 2000 Grad Celsius liegt. Weiter fanden die Forscher auch bei noch größerer Hitze gebildete Kalzium-Aluminium-Inklusionen (CAI). Die Funde werfen eine Reihe von Fragen auf, die derzeit noch nicht beantwortet werden können, so Mike Zolensky vom Wissenschaftlerteam.

Möglicherweise sprechen die Beobachtungen für die so genannte "X-Wind"-Hypothese, spekulieren Sonnensystemforscher. Der hypothetische X-Wind, ein kräftiger Gasstrom, könnte bei der Entstehung von Planetensystemen geschmolzenes Material aus dem Zentrum protostellarer Wolken verblasen. Allerdings war bislang nicht angenommen worden, dass X-Winde Materie bis in die kalten Randzonen eines entstehenden Systems transportiert. Alternativ könnte das einst heiße Material von Wild 2 auch urspünglich aus anderen Sternen stammen. Noch ausstehende Isotopenuntersuchungen sollen nun einige neue Fragen beantworten helfen.
15.03.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15.03.2006

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