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News: Geschärfte Nasen

Die Geruchsschwelle weiblicher Riechorgane schlägt die ihrer männlichen Pendants um Nasenlängen - zumindest wenn die Versuchspersonen immer und immer wieder denselben Duft erschnuppern sollen. Allerdings gilt dies nur für Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Womöglich betätigt sich hier das Hormon Östrogen als Geruchsverstärker.
Gutes Aussehen reicht nicht aus, um die Angebetete zu beeindrucken – auch der Duft muss stimmen, haben wir inzwischen aus zahlreichen Tests mit T-Shirts oder Wattebäuschen gelernt. In verschiedenen Experimenten bewiesen Frauen dabei ein ausgesprochen feines Näschen – empfindlicher als so manche Männernase im Vergleich.

Allerdings schienen diese Geschlechtsunterschiede meist in der Verarbeitung der Sinnesreize zu liegen, wie der Identifizierung und dem Erinnerungsvermögen; hormonelle Einflüsse konnten Forscher bisher kaum nachweisen. Ein ganz anderes Bild bot sich nun, als Pamela Dalton und ihre Kollegen vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia ihre Versuchsteilnehmer immer wieder mit denselben Düften einnebelten – Benzaldehyd oder künstliches Bittermandelöl zum einen und Citralva zum anderen, einem nach Zitronen und Orangen duftenden Aromastoff.

Während die Frauen ihre Geruchsempfindlichkeit für die beiden Substanzen mit der Zeit verfünffachten, zeigten die Männernasen selbst nach mehreren Wochen Duftunterricht keine Fortschritte. Allerdings konnten auch Mädchen unter zehn Jahren oder Frauen nach der Menopause keinerlei Verbesserungen verbuchen.

Da also nur Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter ihre Nase schärfen konnten, vermuten die Wissenschaftler das Geschlechtshormon Östrogen hinter den Kulissen. In welcher Form es in die Geruchswahrnehmung eingreift, ist aber noch völlig unklar – zumal sich keinerlei zyklische Schwankungen zeigten, wie sie im Laufe einer Periode bei Frauen gegebenenfalls auftreten müssten.

Und auch über den Nutzen der verringerbaren Duftschwelle können Dalton und ihre Mitarbeiter nur spekulieren. Womöglich erkennen Frauen dadurch sicherer den eigenen Nachwuchs und andere Verwandte, konnten in früheren Zeiten geeignete Nahrung besser aufspüren und giftige Alternativen aussortieren. Im heutigen Leben könnte sich die geschärfte Nase aber auch ganz anders äußern: Vielleicht ist sie dafür verantwortlich, dass Frauen manche chemische Substanzen nur in geringeren Konzentrationen ertragen als Männer und auch häufiger unter dem Sick-Building-Syndrom leiden, bei dem womöglich schadstoffbelastete Luft in Innenräumen Kopfschmerzen und Müdigkeit auslösen.

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