Direkt zum Inhalt

Unser Sonnensystem: Geschichte der Mondkrater rekonstruiert

Kraterlandschaft auf dem MondLaden...
In der Frühzeit des Sonnensystems schlugen zahllose Kometen, Asteroiden und andere Himmelskörper auf dem Erdtrabanten ein und hinterließen dort riesige Einschlagkrater. Mit Daten des Lunar Reconnaissance Orbiter haben Forscher nun im Detail rekonstruiert, welche Geschosse die Mondoberfläche im Lauf der Zeit geformt haben.

James Head von der Brown University in Providence und seine Kollegen erfassten mit dem Laseraltimeter an Bord der Raumsonde alle Mondkrater mit einem Durchmesser ab 20 Kilometern; insgesamt katalogisierten sie über 5000 Stück. Viele Regionen seien so stark bombardiert worden, dass sich die Krater gegenseitig überdecken, berichten die Forscher. Nachdem eine solche "Sättigung" erreicht sei, bleibe die Krateranzahl unverändert, da ein neuer Einschlag die Spuren eines älteren zerstöre. In diesem Fall könne die Mondoberfläche nicht mehr anhand von Kraterzählungen datiert werden.

Kraterlandschaft auf dem MondLaden...
Kraterlandschaft | Bild A zeigt die Umrisse von Einschlagkratern auf dem Mond. In Grafik B ist die Dichte von Kratern mit einem Durchmesser ab 20 Kilometern dargestellt; das untersuchte Gebiet hat einen Radius von 500 Kilometern. Auf den Bildern C und D ist eine Region im Hochland zu sehen, die eine enorm hohe Kraterdichte aufweist.
Auf der südlichen, erdzugewandten Seite sowie auf der nördlichen, erdabgewandten Seite des Monds stießen Head und sein Team auch auf zwei Gebiete, die sich seit ihrer Entstehung vergleichsweise wenig verändert haben. Da hier das älteste Mondgestein vorliegen sollte, schlagen die Wissenschaftler die beiden Regionen als Ziel für zukünftige Missionen vor.

Zudem untersuchten Head und seine Kollegen, welche Geschosse den Mond trafen, indem sie junge und alte Krater miteinander verglichen. Die Ergebnisse legen nahe, dass sich das Verhältnis von großen und kleinen Einschlagkörpern im Lauf der Zeit gewandelt hat, wie bereits in einer früheren Studie vermutet. Vor mehr als 3,8 Milliarden Jahren seien vornehmlich große Objekte auf dem Mond eingeschlagen, so die Autoren. Womöglich hätten sich seither die auf den Asteroidengürtel wirkenden Kräfte geändert [1].

Zwei andere Forscherteams haben derweil die Daten des Radiometers an Bord des Lunar Reconnaissance Orbiter ausgewertet, der die thermische Emission des Monds misst. Laut Benjamin Greenhagen vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena und Kollegen stimmen die Spektren der meisten Gegenden mit der bekannten lunaren Mineralzusammensetzung überein. Daneben stießen sie allerdings auf kilometergroße Gebiete, in denen der Mondboden ungewöhnlich reich an Siliziumdioxid ist [2].

Auf vier dieser Bereiche konzentrierten sich Wissenschaftler um Timothy Glotch von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York. Die Infrarotspektren ließen sich am besten erklären, wenn die Mondoberfläche Quarz oder Alkalifeldspat enthalte. Diese mineralischen Zusammensetzungen finden sich nirgendwo sonst auf dem Mond, so die Forscher, erinnere aber an das vulkanische Gestein Rhyolith oder Granit auf der Erde [3]. Der Mond sei ein äußerst komplexer Himmelskörper, schließen die beiden Gruppen, der vielfältige magmatische Prozesse durchlaufen habe. (mp)
37. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37. KW 2010

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen
[1] Head, W. et al.: Global Distribution of Large Lunar Craters: Implications for Resurfacing and Impactor Populations. In: Science 329, S. 1504–1507, 2010.
[2] Greenhagen, B. T. et al.: Global Silicate Mineralogy of the Moon from the Diviner Lunar Radiometer. In: Science 329, S. 1507–1510, 2010.
[3] Glotch, T. D. et al.: Highly Silicic Compositions on the Moon. In: Science 329, S. 1510–1513, 2010.

Partnervideos