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News: Geschützte Eizellen

Beim Kampf gegen Krebs ist fast jedes Mittel recht. Radioaktive Strahlung oder chemische Keulen vernichten die todbringenden Krebszellen - leider jedoch nicht immer ohne Nebenwirkungen. So kann die Krebstherapie auch weibliche Eizellen zerstören und damit zur Unfruchtbarkeit führen. Eine jetzt gefundene Substanz verhindert, zumindest bei Mäusen, die Zerstörung der Eizellen.
Jedes weibliche Säugetier – und damit auch jede Frau – kommt mit einer Vielzahl unreifer Eizellen auf die Welt. Nur wenige davon entwickeln sich im Laufe des Lebens zu reifen Eizellen. Die meisten Zellen schickt der Körper in den Selbstmord, die Apoptose. Radioaktive Strahlung oder chemische Substanzen, die zur Krebstherapie eingesetzt werden, beschleunigen diesen programmierten Zelltod. Die Krebstherapie kann damit zur Unfruchtbarkeit führen.

Ausgelöst wird die Apoptose durch den Botenstoff Ceramid, den der Körper aus dem Mebranbaustein Sphingomyelin herstellt. Ceramid wird wiederum zu Sphingosin-1-Phosphatase abgebaut, das die weitere Ceramidsynthese blockiert und damit den Zelltod verhindert. Jonathan Tilly und seine Mitarbeiter vom Massachusetts General Hospital in Boston interessierten sich dafür, ob auch die direkte Verabreichung von Sphingosin-1-Phosphatase das Absterben der Eizellen verhindern kann. Sie injizierten die Substanz in jeweils einen Eierstock von Mäusen und bestrahlten hinterher die Tiere. Wie die Wissenschaftler berichten, entwickelten sich aus den behandelten Eierstöcken normale befruchtungsfähige Eizellen, während die Strahlung die Eizellen der unbehandelten Eierstöcke zerstörte (Nature Medicine vom Oktober 2000). Das gleiche Ergebnis erhielten die Wissenschaftler, wenn sie die Mäuse mit dem Chemotherapeutikum Doxorubicin behandelten. Auch hier konnte Sphingosin-1-Phosphatase den Tod der Eizellen verhindern.

Ob dies auch beim Menschen funktioniert, ist noch ungeklärt. Doch Jonathan Tilly gibt sich optimistisch: "Zum ersten Mal haben wir die vielversprechende Aussicht, dass ein kleines Molekül die Ovarien von Frauen und Mädchen während der Krebstherapie schützen kann."

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