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Schlafende Schweine: Gespür für das Magnetfeld

Forscher haben Wild- und Warzenschweine beim Schlafen beobachtet - und festgestellt: Die Tiere bevorzugen eine bestimmte Ausrichtung. Dahinter könne nur das Erdmagnetfeld stecken.
Zwei Wildschweine ruhen (Ausrichtung unbekannt)Laden...

Es mehren sich die Hinweise, dass auch Säugetiere einen Sinn für das Erdmagnetfeld haben, wie man ihn beispielsweise von Zugvögeln kennt. Die meisten stammen von einer deutsch-tschechischen Forschergruppe, die im Verhalten der Tiere nach entsprechenden Anhaltspunkten sucht. Fündig wurde sie jetzt auch bei Wild- und Warzenschweinen: Sowohl die in Europa beheimateten Wildschweine wie ihre afrikanischen Verwandten scheinen bevorzugt in einer durchschnittlich um knapp 20 Grad leicht nach Osten verschobenen Nord-Süd-Achse zu ruhen, zu schlafen oder zu fressen.

Dieses Verhalten, von dem das Team um Pascal Malkemper von der Universität Duisburg-Essen nun in einer Veröffentlichung berichtet, zeigte sich bei der direkten Beobachtung von mehr als 1600 Wild- und 1300 Warzenschweinen an über 30 verschiedenen Orten in Tschechien und sechs afrikanischen Ländern sowie bei der Auswertung von mehr als 1800 Schlafkuhlen der einheimischen Wildschweine. Die anscheinend präferierte Nord-Süd-Ausrichtung (mal mit Blick nach Norden, mal mit Blick nach Süden) nahmen die Tiere unabhängig von Uhr- oder Jahreszeit ein, sie änderte sich auch nicht mit dem Wetter oder der Windrichtung.

Die Forscher beobachteten dazu die Tiere mit dem Fernglas und verzeichneten die Orientierung der einzelnen Mitglieder einer Rotte, aus der sie dann eine mittlere Ausrichtung für die ganze Gruppe errechneten. Beim Vergleich der Messwerte zeigte sich eine durchaus deutliche Bevorzugung der Nord-Süd-Achse. Ein weiteres Ergebnis der Forscher ist, dass sich die Warzenschweine umso häufiger mit dem Kopf nach Süden orientierten, je weiter südlich des Äquators sie lebten. Die in Tschechien, also nördlich des Äquators beobachteten Wildschweine zeigten hingegen eine Nordpräferenz.

Die ersten Anhaltspunkte für einen Magnetsinn bei Säugetieren fand das Team bei Kühen, er zeigte sich aber auch bei Füchsen oder Hirschen. Dass auch der Mensch Reste eines Magnetsinns haben könnte, belegte der Fund eines Moleküls im Auge, das bei anderen Tierarten genau für diesen Sinn zuständig ist. Streng kontrollierte EEG-Experimente des Geophysikers Joe Kirschvink am California Institute of Technology in Pasadena sollen diesen Sinn nun womöglich erstmals eindeutig in Aktion gezeigt haben.

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