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Gestrandeter Meeresriese: Buckelwal größer als zunächst angenommen

Bei Drohnenflügen gemachte Aufnahmen sollten helfen, die Größe des an der Ostseeküste gestrandeten Wals genauer zu schätzen. Nun gibt es Ergebnisse. Die Werte beeindrucken.
Luftaufnahme eines Wals, der in flachem, grünlichem Wasser nahe der Niendorfer Küste schwimmt. Links oben ist eine Landzunge mit einem Wellenbrecher aus großen Steinen zu sehen.
Ein Buckelwal war in der Lübecker Bucht in der Nähe von Niendorf gestrandet. (Aufnahme vom 23.03.2026).
Aktualisiert am 27.03.2026 um 17:30 Uhr.

Der vor Timmendorfer Strand in der Ostsee gestrandete Buckelwal ist wohl deutlich größer als zunächst angenommen. Das Tier sei wahrscheinlich zwischen 12 und 15 Meter lang, sagte Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der dpa am Mittwoch. Das Gewicht wurde demnach auf rund 15 Tonnen geschätzt. Zuvor waren die Helfer von einer Länge von etwa zehn Metern ausgegangen. Das Alter des Tieres sei schwer zu bestimmen, auch wegen der Hautveränderungen im Zuge der Strandung, hieß es. 

Das Tier hat sich in der Nacht zum Freitag befreit. Er konnte mithilfe einer Rinne, die ein Schwimmbagger ausgegraben hatte, ins tiefere Wasser schwimmen, wie der Biologe Robert Marc Lehmann gegenüber der dpa sagte. Der Meeressäuger sollte nun möglichst in die Nordsee und dann in den Atlantik schwimmen. Zunächst hieß es Freitagmorgen, der Wal sei auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht. Mehrere Stunden später wurde das Tier aber erneut vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor es sich wieder von der Küste entfernte. Natur- und Umweltschützer versuchten, den Wal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace waren nach eigenen Angaben mit Schlauchbooten in der Lübecker Bucht unterwegs.

Freitagnachmittag wurde der Buckelwal vor Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) in Küstennähe gesehen, sagte eine Sprecherin von Sea Shepherd gegenüber der dpa. Die Begleitung mit Booten wurde Freitagnachmittag unterbrochen, wie Sprecher der Wasserschutzpolizei und der Umweltschutzorganisation Greenpeace vermeldeten. Die Helfer wollen am Samstag wieder herausfahren, wie die Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position des Wals ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung, Walsichtungen zu melden oder in den sozialen Medien zu posten.

Wie stehen die Chancen, dass der Wal in die Nordsee findet? Es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten, sagte Walexpertin Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der dpa. Die Ostsee ist für das Tier eine Sackgasse, bietet auf Dauer nicht genügend Nahrung und auch ihr Salzgehalt ist zu niedrig, wodurch Hautentzündungen entstehen und das Tier geschwächt wird.

Der Wal war am Montag auf einer Sandbank vor Niendorf in der Lübecker Bucht entdeckt worden. Zunächst versuchten Polizeiboote, größere Wellen zu verursachen, um dem Wal zu helfen, sich freizuschwimmen. Doch um den Wal nicht weiter zu stressen, wurde die Aktion abgebrochen. Am Dienstag sollte ein Saugbagger unter dem Buckelwal eine Schneise saugen, doch nach etwa zwei Stunden musste auch dieser Rettungsversuch beendet werden, da der Sand zu fest war. Donnerstag waren schließlich mehrere Bagger im Einsatz, um die Rinne vor dem Kopf des Wals zu graben.

Wie geht es dem gestrandeten Buckelwal?

Fachleute vor Ort haben bei dem Wal bereits Hautveränderungen festgestellt, vermutlich auch zugezogen durch die Strandung. Allerdings sehe der Wal äußerlich noch gut ernährt aus. Der Biologe Robert Marc Lehmann stand am Donnerstag während der Rettungsaktion neben dem Wal im Wasser und leitete den Schwimmbagger an. Der Wal reagierte auf den Besucher mit lautem Schnauben und heftigen Bewegungen, hatte die Augen geöffnet. Die Begutachtung habe ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, sagte ITAW-Walexpertin Stephanie Groß am Donnerstag gegenüber der dpa. Der Wal habe allerdings noch eine Leine im Maul, bei der niemand wisse, was sie innerlich mit dem Tier mache. Man habe die Leine soweit möglich entfernt, so Groß. »Der Wal war jetzt nicht willig, das Maul zu öffnen. Deswegen konnte das, was im Wal ist, nicht entfernt werden.« Die Leine sitze fest.

Buckelwale können nach Expertenangaben bis zu etwa 30 Tonnen Gewicht erreichen und haben eine Lebenserwartung von bis zu 90 Jahren. Kennzeichnend für die Art sind die langen, Flipper genannten Brustflossen, die ein Drittel der Körperlänge erreichen. (dpa/doe)

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