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Freiheit: Buckelwal hat sich in der Nacht freigeschwommen

Tagelang saß ein Buckelwal auf einer Sandbank fest. In der Nacht hat der Wal offenbar eine von Baggern geschaffene Rinne genutzt und schwimmt nun in der Lübecker Bucht. Wie findet er in den Atlantik?
Eine Person steht auf einem Holzsteg und blickt durch eine Kamera auf ein Gewässer. Im Vordergrund sind mehrere weiße Bojen und ein Schwan auf dem Wasser zu sehen. Im Hintergrund fährt ein Boot in Richtung Küste, wo Gebäude am Horizont sichtbar sind. Der Himmel ist klar und blau.
Ausgelegte Bojen zeigen die ausgebaggerte Rinne für den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee. Der in der Ostsee vor Niendorf gestrandete Wahl hat diese in der Nacht auf Freitag genutzt und befreit.
Aktualisiert am 27.03.2026 um 17:30 Uhr.

Der vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Buckelwal hat sich in der Nacht zum Freitag befreit. Er konnte mithilfe einer Rinne, die ein Schwimmbagger ausgegraben hatte, ins tiefere Wasser schwimmen, wie der Biologe Robert Marc Lehmann am Freitagmorgen gegenüber der dpa sagte.

Der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger sollte nun möglichst in die Nordsee und dann in den Atlantik schwimmen. Zunächst hieß es Freitagmorgen, der Wal sei auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht. Mehrere Stunden später wurde das Tier aber erneut vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor es sich wieder von der Küste entfernte. Natur- und Umweltschützer versuchten, den Wal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace waren nach eigenen Angaben mit Schlauchbooten in der Lübecker Bucht unterwegs.

Freitagnachmittag wurde der Buckelwal vor Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) in Küstennähe gesehen, sagte eine Sprecherin von Sea Shepherd gegenüber der dpa. Die Begleitung mit Booten wurde Freitagnachmittag unterbrochen, wie Sprecher der Wasserschutzpolizei und der Umweltschutzorganisation Greenpeace vermeldeten. Die Helfer wollen am Samstag wieder herausfahren, wie die Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position des Wals ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung, mitzuhelfen, indem Walsichtungen gemeldet oder in den sozialen Medien gepostet werden.

Wie stehen die Chancen, dass der Wal in die Nordsee findet? Es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten, sagte Walexpertin Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der dpa. Die Ostsee ist für das Tier eine Sackgasse, bietet auf Dauer nicht genügend Nahrung und ihr Salzgehalt ist zu niedrig, wodurch etwa Hautentzündungen entstehen und das Tier geschwächt wird. Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Unterwasserlärm könnte laut Experten ebenfalls eine Rolle spielen, warum Wale stranden.

Wie geht es dem Wal?

Da die Haut des Wals entzündet ist, wurde an ihm kein Sender angebracht. Allerdings sehe der Wal noch gut ernährt aus. Der Biologe Robert Marc Lehmann stand am Donnerstag während der Rettungsaktion neben dem Wal im Wasser und leitete den Schwimmbagger an. Der Wal reagierte auf den Besucher mit lautem Schnauben und heftigen Bewegungen, hatte die Augen geöffnet. Die Begutachtung habe ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, sagte ITAW-Walexpertin Stephanie Groß am Donnerstag gegenüber der dpa. Der Wal habe allerdings noch eine Leine im Maul, bei der niemand wisse, was sie innerlich mit dem Tier mache. Man habe die Leine soweit möglich entfernt, so Groß. »Der Wal war jetzt nicht willig, das Maul zu öffnen. Deswegen konnte das, was im Wal ist, nicht entfernt werden.« Die Leine sitze fest.

Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne

Für Timmendorf am Strand an der Ostsee hat die beispiellose mehrtägige Rettungsaktion mit Baggern und Tauchern damit ein gutes Ende genommen. Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben.

Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft. Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen.

Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten es am Abend auch mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. (dpa/doe)

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