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Vorbild Bär: Gesund fett werden wie ein Grizzly

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Grizzlybären taugen überraschend gut als Versuchskaninchen für die Forschung an menschlichen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit – und zwar, weil sie eben nie daran leiden, trotz regelmäßiger, maßloser Völlerei vor dem Winter, mit der sie sich die notwendigen wärmenden Fettpolster anfressen. Bei den Tieren reguliert ein bestimmtes Gen die Gewichtszunahme und den Blutzuckerspiegel subtil und gewebespezifisch, zeigen Forscher nun. Dieses Gen kannte man auch bei Menschen schon als Schlüssel zu Diabetes und Fettleibigkeit – beim Bär-Mensch-Vergleich fallen jetzt Unterschiede auf, die womöglich Betroffenen einmal helfen können.

Die Diabetesforscher hatten vor einiger Zeit begonnen, nach anderen Versuchstieren als Nagern zu suchen, die sich für die Untersuchung der menschlichen Stoffwechselerkrankung nicht besonders gut eignen. Dabei kamen sie auf Bären (Ursos arctos horribilis), die aus dem Yellowstone National Park ausgewildert worden waren und nun in einem kontrollierten Freigehege lebten, wo sie gut untersucht werden konnten. Es zeigte sich, dass die Tiere sowohl ihren Blutzucker- als auch ihren Insulinpegel während des großen Fressens im Herbst, des Winterschlafs und des Frühjahrs stets erstaunlich konstant halten können.

Offenbar regulieren sie die unterschiedlichen Anforderungen demnach nicht über unterschiedliche Insulinmengen oder über eine unterschiedliche Resistenz der Zellen gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon, schlussfolgerten die Forscher. Eine zunehmende Resistenz gegen Insulin ist bei Menschen eine der Ursachen für die häufige Zivilisationskrankheit Typ-2-Diabetes. Gibt man den Bären aber in der Fressphase vor dem Winterschlaf eine hohe Dosis Insulin, so fallen die Blutzuckerwerte sofort auf lebensbedrohlich niedrige Werte. Der Stoffwechsel der Bären reagiert demnach bei zunehmender Fettpolsterung nicht wie der von Menschen mit Übergewicht, bei denen Insulin allmählich immer weniger wirkt.

Schlüssel ist dagegen, wie vergleichende Tests unterschiedlicher Gewebe nach Biopsien zeigten, ein ausschließlich in den Fettzellen je nach Bedarf unterschiedlich aktives Gen namens PTEN. Im Herbst ist es in allen Zellen außerhalb des Fettgewebes besonders aktiv. Das PTEN-Protein reguliert das Zellwachstum; seine Version beim Menschen ist aber auch schon Diabetesforschern aufgefallen. Sie hatten vor zwei Jahren herausgefunden, dass sein teilweiser Ausfall Menschen vor Diabetes schützen kann. Seitdem suchen Mediziner nach sinnvollen Methoden, es ohne Nebenwirkungen auszuschalten. Dabei besteht ein hohes Risiko, weil Menschen ohne PTEN häufig an Krebs erkranken. Die Grizzlyforscher wollen nun herausfinden, wie die Bären das Gen gezielt nur in Fettgewebe und nur im Herbst blockieren – vielleicht hilft dieses Wissen dabei, auch bei Diabetespatienten eine gezielte Blockade zu erreichen und so ein Medikament zu entwickeln. Die Forschung am Grizzlybär gehe also weiter, freuen sich die Wissenschaftler um Kevin Corbit.

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