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Rückenmarksverletzungen: Gezielte Stimulation stellt Beweglichkeit wieder her

Wissenschaftler erproben ein Verfahren zur Verbesserung von Rehamaßnahmen: Imitiert ein Nervenstimulator natürliche Reize, steigt der Therapieerfolg - zumindest bei Ratten.
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Sind nach einer Rückenmarksverletzung noch Teile der ursprünglichen Nervenbahn intakt, kann durch gezielte Rehamaßnahmen eine grundlegende Beweglichkeit teilweise gelähmter Körperteile wiederhergestellt werden. Wie Forscher um Steve Perlmutter von der University of Washington nun feststellten, lässt sich der Erfolg einer solchen Intervention stark erhöhen, wenn die Rückenmarksnerven passgenau stimuliert werden.

Das ergab zumindest ihre Studie an Ratten – das Verfahren befindet sich derzeit in einem sehr frühen Stadium und ist noch nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen. Bemerkenswert sei allerdings, dass die Verbesserungen noch Wochen nach Abschluss der Maßnahmen anhielten, so die Wissenschaftler. Darum lohne sich auch eine weiter gehende Untersuchung.

Nach Meinung von Perlmutter und Kollegen sorgt ihre speziell getimte elektrische Reizung der Rückenmarksnerven dafür, dass der Körper die teilweise unterbrochene Leitung überbrückt, indem er die Effektivität der verbliebenen Nerven bei der Steuerung der Muskulatur erhöht.

Die Wissenschaftler stimulieren dazu mit Hilfe eines kleinen Steuerungschips die Rückenmarksnerven unterhalb der Verletzung – und zwar immer einen Sekundenbruchteil, nachdem der Chip eine schwache elektrische Restaktivität im Muskel registriert. Diese Reizung sorgt dafür, dass die Neurone oberhalb der Verletzung ein neuronales Verknüpfungsprogramm anwerfen und sich mit den gerade stimulierten und aktiven muskulären Nerven darunter vernetzen. Ihre Synapsen gewinnen so an Einfluss, und ankommende Signale aus dem Hirn können mit der Zeit immer besser den betroffenen Körperteil erreichen.

Perlmutter und Kollegen erprobten das in einem Experiment, bei dem Ratten lernten, einen Futterbrocken zu ergreifen. Daraufhin wurde ihnen ein Teil des Rückenmarks verletzt. Dank der Stimulation erhielten Versuchstiere nach drei Monaten Behandlung im Schnitt 63 Prozent ihrer ursprünglichen Beweglichkeit in dieser Aufgabe. Bei unspezifischer Reizung oder reinem Bewegungstraining lag der Wert dagegen bei lediglich 30 Prozent. Nach Meinung der Wissenschaftler könnte sich ein Verfahren nach demselben Prinzip eines Tages auch dazu eignen, Patienten eine grundlegende Kontrolle über Darm, Blase und andere innere Organe zurückzugeben.

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