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Cassini-Mission: Gibt es doch Methanseen auf Titan?

Auf der Oberfläche des Saturn-Mondes Titan gibt es zahlreiche Seen aus Methan. Dies vermuten Forscher nach einer Sichtung neuer Radarbilder der Cassini-Sonde. Bislang war das Vorkommen von Methanseen umstritten, weil stichhaltige Beweise fehlten.

Die Oberfläche des Titan im Radarbild | Am 22. Juli 2006 flog die Cassini-Sonde über Titan und sammelte Bodendaten des Saturnmondes. Zu einem vom Orbitbeobachter nach Westen auslaufenden Streifen montiert und kontrastverstärkt scheinen sie die Existenz von großen Flüssigkeitskörpern auf der Oberfläche zu belegen: Die dunkleren Bereiche sind Areale mit einer geringen Radarreflektivität, also einer sehr glatten Oberfläche. Das es sich dabei nicht um flüssige Seen von Kohlenwasserstoff handelt, halten die Cassini-Forscher nun für sehr unwahrscheinlich.
Die neuen Radarbilder des Cassini-Orbiters, der seit 2004 den Saturn und seinen Mond umkreist, zeigen insgesamt 75 dunkle Flecken von drei bis 70 Kilometern Durchmesser. Sie alle liegen nördlich des 70. Breitengrades. Weil diese Flecken die Radarstrahlen der Sonde nicht reflektieren, vermutet das Team internationaler Wissenschaftler um Ellen Stofan vom University College London dort flüssige Ansammlungen des Atmosphärengases Methan, das den gesamten Mond umhüllt.

Kritikern, die in den dunklen Flecken nur Anhäufungen dichten, nicht reflektierenden Staubes sehen wollen, halten die Wissenschaftler entgegen, dass in den untersuchten Gebieten keinerlei Anzeichen für anderweitige Ablagerungen zu finden seien.

Zudem konnten die Forscher drei unterschiedliche Typen von dunklen Flecken identifizieren: Neben Seen, die keine Radarstrahlung reflektierten, fanden die Forscher auch Gebiete, die Strahlung zurückwarfen. Sie gelten den Wissenschaftlern als ausgetrocknete Methanspeicher, die das verflüssigte Gas im Laufe der Zeit wieder in die Atmospähre abgegeben haben. Zudem gab es dunkle Areale, die nur an ihren Rändern reflektierten. Hier seien möglicherweise die Uferbereiche der Seen so flach, dass der darunterliegende Untergrund die Strahlen zurückwerfe.

Entstanden seien die Seen vermutlich durch heftige Stürme, die im Winter des dreißig Erdenjahre dauernden Titanjahres starke Methanregenmassen niederprasseln ließen, so die Forscher. Entsprechende Rinnsale wurden schon früher gesichtet. Wenn sich die Vermutungen der Forscher erhärten, ist Titan-Mond neben der Erde der einzige Himmelskörper, der einen Verdunstungskreislauf aufweisen kann. (tk)

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