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Insekten

Giftige Raupen belagern London

Der Nachwuchs der Eichenprozessionsspinner gilt als äußerst lästig: Die Brennhaare der Raupen lösen unangenehme Folgen aus. Das bekommen die Briten jetzt zu spüren.
Raupen des Eichenprozessionsspinners

Sie sind klein und eher unscheinbar, aber sie treten in Massen auf und haben unangenehme Abwehrmechanismen: Förster wie Mediziner fürchten Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) – oder vielmehr deren Raupen : Die Tiere können ihre Wirtsbäume kahl fressen, und jede Einzelne der Larven besitzt mehr als 60 000 Brennhaare, die sie bei Gefahr abwerfen kann. Diese brechen leicht und werden vom Wind weit fortgetragen; selbst nach dem Häuten bleiben die Härchen gefährlich. Denn sie dringen leicht in Haut und Schleimhaut von Menschen ein und geben dort ihr Gift ab. Sie lösen eine Dermatitis mit starkem Juckreiz aus und führen eingeatmet zu Bronchitis und Asthma. Ausgerechnet diese Raupen treten nun massenhaft im Großraum London auf, wie die »BBC« meldet. Betroffen ist demnach vor allem der Südwesten der Metropole von Kingston bis Brent, doch auch in anderen Stadtteilen wurden Nester nachgewiesen und Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Die ersten Raupen habe man Mitte April entdeckt und mit Bekämpfungsmaßnahmen begonnen, so die zuständige Behörde für Forstwirtschaft. »Die Behandlung wird bis Ende Mai, Anfang Juni fortgesetzt«, so ein Behördensprecher zur »BBC«. Bislang seien die Tiere relativ unauffällig, so das Forstamt, denn sie halten sich noch im Kronenraum auf und sind relativ klein. Erst nach weiteren Häutungen sammeln sie sich auch stammabwärts, so dass sie ins Blickfeld geraten. Das werde bis Mitte Mai erwartet. Wie viele Menschen schon gesundheitlich betroffen sind, ist unbkannt. Die »BBC« erwähnt nur eine Frau, die mit heftigen allergischen Reaktionen zum Arzt musste.

In Deutschland hat ebenfalls regional die Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern begonnen, etwa in Teilen von Sachsen-Anhalt, im Frankfurter Stadtwald oder entlang des hessischen Abschnitts der A5. Die Art hat sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet, was womöglich durch die Erwärmung in Mitteleuropa begünstigt wurde. Ihre Bekämpfung wird kontrovers diskutiert. Umweltverbände lehnen den flächenhaften Einsatz von Gift gegen die Raupen in Wäldern ab und sehen den Einsatz von chemischen Abwehrmaßnahmen nur im Siedlungsbereich als gerechtfertigt an. Neben Insektiziden helfen auch mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis versetzte biologische Spritzmittel, die allerdings ebenso anderen Insektenlarven schaden. In Einzelfällen können Nester mit speziellen Staubsaugern bekämpft werden.

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