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Bäume: Gigant auf Borneo entdeckt

Recht viel höher kann ein Baum nicht werden: Im Danum-Tal auf Borneo haben Biologen einen Riesen entdeckt und erklettert. Er bricht den bisherigen Rekord deutlich.
Höchster Tropenbaum der ErdeLaden...

Tief im Regenwald des Danum-Tals im malaysischen Bundesstaat Sabah auf Borneo verbirgt sich ein Gebiet, in dem einige der höchsten Bäume der Erde stehen – und der neue Weltrekordhalter unter den Regenwaldwaldbäumen. Ein Gelber Merantibaum (Shorea faguetiana) erreicht dort 100,8 Meter Höhe, wie eine Gruppe an Wissenschaftlern um Alexander Shenkin von der University of Oxford und Unding Jami von der South East Asia Rainforest Research Partnership mit Hilfe verschiedener Methoden festgestellt hat – unter anderem kletterte Jami bis in die Krone des Giganten, um ihn möglichst exakt zu vermessen. Der Baum übertrifft damit den bisherigen Rekordhalter deutlich: Es handelt sich ebenfalls um einen Gelben Merantibaum aus Sabah, der 2016 vermessen wurde und »nur« 94,1 Meter erreicht.

Diese Art ist wohl die am höchsten wachsende Blütenpflanze überhaupt; noch größer werden nach momentanem Kenntnisstand nur Nadelbäume: Ein Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens), genannt Hyperion, beispielsweise ragt über 115 Meter in die Höhe; einige seiner Artgenossen gelten als ähnlich hoch. In ähnliche Dimensionen unter den Blütenpflanzen stoßen manche Eukalyptusarten vor. Ein Exemplar eines Rieseneukalyptus (Eucalyptus regnans) wurde im 19. Jahrhundert angeblich mit einer Länge von über 132 Meter gemessen – leider existieren davon keine gesicherten Belege. Noch größere Höhen erreichen Bäume praktisch kaum, da sie ihre Wipfel dann nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgen können.

© Alexander Shenkin
Animation des Baums aus Drohnen-und Lidaraufnahmen

Der »Menara« genannte Riese (malaiisch für »Turm«) wiegt schätzungsweise 81 Tonnen. Er wurde erstmals 2018 bemerkt, als Wissenschaftler den Wald aus dem Flugzeug mit Laserscannern abtasteten. Auf den daraus entwickelten 3-D-Bildern stach der Baum heraus, doch die tatsächliche Höhe ließ sich nur direkt ermitteln, weshalb Jami auf den Baum steigen musste – kein einfaches Unterfangen, da sich in den Kronen häufig Wespennester, Giftschlangen oder bissige Ameisen befinden. Schätzungsweise tausend unterschiedliche Insekten-, Pilz- und Pflanzenarten können in und an einem derartigen Riesen leben. Wegen ihrer Größe sind sie jedoch auch ein begehrtes Ziel von Holzfällern: Gelbe Merantibäume werden häufig für Sperrholz oder Verschalungen umgesägt. Im Danum-Tal sind sie allerdings streng geschützt; das Gebiet gilt als einer der am besten erhaltenen Tieflandregenwälder Südostasiens.

17/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 17/2019

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