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Vögel

Gigantische Pinguinkolonie in der Antarktis entdeckt

Teile der Erde sind so wild und unzugänglich, dass sie immer noch Überraschungen liefern können - so wie Danger Island in der Antarktis: Heimat einer Megakolonie Pinguine.
Adeliepinguin

Nur selten finden Wissenschaftler ihren Weg zu Danger Island auf der Ostseite der Antarktischen Halbinsel: Sie ist abgelegen und schwierig zu erreichen. Und deshalb entging Forschern auch über Jahrzehnte, dass sich hier eine Megakolonie an Adéliepinguinen verbarg. Mehr als 1,5 Millionen der Vögel nisten in mehreren Standorten auf dem Eiland, wie Alex Borowicz von der Stony Brook University und sein Team in "Scientific Reports" schreiben. Es handele sich um die dritt- und viertgrößte Brutkolonie der Pinguine in der Antarktis; insgesamt beheimate sie den größten Bestand an Adéliepinguinen weltweit, so die Wissenschaftler.

Aufmerksam wurden Borowicz und Co durch Satellitenbilder, auf denen deutliche Hinweise auf Seevögel zu erkennen waren: Die vom Kot verschmutzten Stellen unterschieden sich signifikant von der Umgebung. Eine Expedition brachte schließlich Gewissheit, dass hier mehr als 750 000 Pinguinpaare ihre Brutgeschäfte erledigen. Für die Biologen eine erfreuliche Entdeckung: Auf der Westseite der Antarktischen Halbinsel und auf einigen subantarktischen Inseln nehmen die Bestände der Art teilweise drastisch ab; auf der Pétrel-Insel beispielsweise fiel die letzte Brutsaison dramatisch schlecht aus: In einer Brutkolonie von 40 000 Adéliepinguinen wurden nur zwei Küken flügge. Eine Auswertung von Satelliten- und Luftbildern seit 1959 deutet an, dass sich der Bestand auf Danger Island seit damals stabil hält oder sogar leicht zunimmt.

Warum die Zahlen der Vögel an anderen Orten teilweise deutlich schrumpfen, ist noch unklar. Als Auslöser kommt die Erwärmung der Region in Frage, die Nahrungsnetze verändert und die wichtige Futterquellen dazu zwingt, abzuwandern. Auch die Fischerei in der Region könnte eine Rolle spielen. Um den neu entdeckten Brutplatz zumindest vor Letzterem zu schützen, empfehlen Ökologen jetzt, die Weddell Sea Marine Protected Area zu vergrößern, so dass sie Danger Island einschließt. Davon würden auch verschiedene Robbenarten oder Blauwale profitieren.

10/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10/2018

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