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News: Gigantischer Steilhang im Indischen Ozean

Vermessungen im Bereich des Atlantisch-indischen Rückens führten zur Entdeckung des steilsten submarinen Abhangs der mittelozeanischen Rücken. Zusätzlich erhofft man sich neue Erkenntnisse über die Entstehung einfacher Lebensformen.
John Madsen, Geologe von der University of Delaware, stellte auf dem Herbst-Treffen 1997 der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco die Ergebnisse einer mehrwöchigen Forschungsfahrt in den südöstlichen Indischen Ozean vor. Eine genaue Untersuchung des Atlantisch-indischen Rückens (Southwest Indian Ridge) offenbarte den untermeerischen Steilhang.

Der Atlantisch-indische Rücken ist Teil der mittelozeanischen Rücken und befindet sich etwa 1600 km süd-südwestlich des afrikanischen Kontinents. Er erstreckt sich entlang der Grenze zwischen der Afrikanischen und der Antarktischen Platte, die verhälntismäßig langsam – im Bereich des Atlantisch-indischen Rückens mit etwa 1,7 Zentimetern pro Jahr – auseinanderdriften. Der Vorgang, bei dem Platten sich trennen und neue ozeanische Kruste entsteht, wird als Seafloor-Spreading bezeichnet. Die dabei entstehenden mittelozeanischen Rücken weisen in der Regel aktiven basaltischen Vulkanismus, Flachherdbeben und Abschiebungen auf, die durch Dehnungskräfte beim Auseinanderdriften der Platten verursacht werden.

Madsen gehört der InterRidge an, einem multinationalen Forscherteam mit geophysikalisch-ozeanographischer Ausrichtung. Im Februar und März 1996 verbrachten die InterRidge-Wissenschaftler 48 Tage an Bord des Forschungsschiffs Knorr, das von der Woods Hole Oceanographic Institution betrieben wird. Die Knorr legte im Rahmen dieses Projekts über 10 000 Seemeilen im Indischen Ozean zurück.

Die Wissenschaftler untersuchten ein Gebiet ca. 1600 km südlich des Kaps der Guten Hoffnung. Hierbei entdeckten sie, daß der Meeresbodens innerhalb von nur 16 km von rund -150 m NN auf etwa -6000 m NN abfällt. Madsen sagte hierzu: „Es ist die größte Höhendifferenz, die je an einem Ort der Erde entlang der mittelozeanischen Rücken festgestellt wurde.”

Die erstellten topographischen Karten werden den Wissenschaftlern beim Verständnis der physikalischen Charaktereristika des Meeres und des Meeresbodens helfen. Laut Madsen wird die geleistete Arbeit für die gesamte ozeanographische Fachwelt von Nutzen sein. Neben den geophysikalischen und seismischen können durch Folgeprojekte auch biologische Erkenntnisse gewonnen werden. „Einige Biologen glauben, daß das Leben ursprünglich an ca. 3000 m unter der Oberfläche gelegenen, hydrothermalen Öffnungen entstand”, sagte Madsen. In dieser Tiefe ist das Ozeanwasser nahe dem Gefrierpunkt. Wenn ein warmer hydrothermaler Strom durch Öffnungen in das Meer austritt und auf das kalte Ozeanwasser trifft, kommt es zu sulfidischen Ablagerungen. Von diesen nehmen einige Wissenschaftler an, daß sie der Schlüssel zum Anfang des Lebens auf unserem Planeten sind. „Wir werden vom Meeresgrund Karten anfertigen, die hydrothermale Quellen auffindbar machen.”

Erste Erkenntnisse aus den Untersuchungen lassen vermuten, daß sich entlang des Atlantisch-indischen Rückens ungewöhnliche geologische Aktivität und vulkanische Prozesse abspielen. Anhand der neu gewonnenen Erkenntnisse müssen nun die bereits bestehenden Ansichten über das globale System der mittelozeanischen Rücken geprüft werden.

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