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News: Glaubte Heisenberg an deutschen Sieg mit Atomwaffen?

Die Nachkommen des dänischen Atomphysikers Niels Bohr (1885-1962) haben gestern bisher geheime Briefentwürfe veröffentlicht, die sich auf ein Treffen mit seinem deutschen Kollegen Werner Heisenberg aus dem Jahr 1941 im deutsch besetzten Kopenhagen beziehen. In dem 1957 oder 1958 abgefassten, aber nie abgeschickten Brief schreibt Bohr, Heisenberg habe ihn davon überzeugen wollen, dass ein deutscher Sieg im Zweiten Weltkrieg aufgrund von Atombomben unausweichlich sei. Es sei dumm, weiter auf einen anderen Ausgang zu warten, da Deutschland unter Heisenbergs Leitung alles unternehme, um eine Atombombe zu entwickeln.

Das Treffen, an dem auch der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker teilgenommen hatte, war unter Historikern stets umstritten. Der 1976 verstorbene Heisenberg hatte nach Kriegsende erklärt, er habe Bohr damals nur warnen wollen. Der 89-jährige von Weizsäcker bestritt gestern ebenfalls die Darstellung von Bohr. Der Physiker sei in seiner Erinnerung einem Irrtum erlegen. In Wirklichkeit hätten die deutschen Physiker damals ihre Arbeit an der Atombombe längst als ergebnislos eingestellt. Das Kopenhagener Gespräch habe vielmehr dazu gedient, Bohr davon zu überzeugen, dass auch die USA und Großbritannien auf Atomwaffen verzichten müssten.

Historiker hatten ebenfalls vermutet, Heisenberg wollte Bohr dazu überreden, am deutschen Atomprojekt mitzuwirken. Doch dazu findet sich in den Briefen kein Hinweis. Niels Bohr erhielt 1922, sein Schüler Werner Heisenberg 1932 den Nobelpreis für Physik.

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  • Quellen
dpa
Niels Bohr Archive
Naturens Verden 84(8–9) (2002)

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