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News: Gletscher als Stöpsel für Vulkane

Bereits seit Jahrzehnten ist den Wissenschaftlern bekannt, daß große, aktive Vulkane wie der St. Helens in Washington und der Pinatubo auf den Philippinen das Klima verändern können, indem sie Rauch, Gase und Asche in die Atmosphäre ausspucken. Jetzt gibt es Hinweise, daß dies auch umgekehrt passiert: Eine Veränderung der Umwelt kann Vulkanausbrüche nach sich ziehen. Wie eine neue Studie zeigt, haben Gletscher in den vergangenen 800.000 Jahren häufig Vulkanausbrüche ausgelöst, nachdem sie sich gen Norden zurückzogen.
Allen F. Glazner, Professor für Geologie an der University of North Carolina in Chapel Hill berichtete auf dem Herbstreffen der American Geophysical Union vom 6. bis 10. Dezember 1998 von den Ergebnissen seiner Forschung. "Als wir die geologische Aktivität im Osten Kaliforniens über den Zeitraum der letzten Million Jahre betrachteten, fanden wir heraus, daß Vulkane tendenziell zwischen glazialen Zyklen ausbrachen. Immer wenn es Gletscher gab, war es verhältnismäßig ruhig um die Vulkane. Wenn sich die Gletscher jedoch zurückzogen, wurden die Vulkane viel aktiver."

Frühere Forschungen hatten bereits ein ähnliches Muster rund um Inseln und entlang von Küsten nachgewiesen. Die neue Studie zeige nun zum ersten Mal, daß es auch tief im Landesinneren passiert, so Glazner. Allerdings ist noch nicht bekannt, wie die Gletscher Ausbrüche verhindern. "Eine Möglichkeit wäre, daß das ganze zusätzliche Gewicht des Gletschereises das Magma zurückhält. Wenn das Eis dann schmilzt und das Wasser verdampft, bewirkt das geringere Gewicht auf die Erdkruste, daß der Vulkan schließlich ausbricht", meint er.

Glazner, der bereits seit vielen Jahren die Geologie Kaliforniens erforscht, hatte für seine jüngste Arbeit zusammen mit Kollegen drei Jahre lang Lavaproben von Vulkanen östlich der Sierra Nevada entnommen, sie datiert, chemisch analysiert und mit den Daten vergangener Aufzeichnungen verglichen. "Uns interessiert die Verbindung zwischen dem natürlichen Vorgang des Vulkanismus und dem Klima. Wir wollen wissen, zu welchem Teil die seit kurzem stattfindende globale Erwärmung auf die Verbrennung von fossilen Brennstoffen durch den Menschen zurückgeht und zu welchem Teil es sich einfach um einen natürlichen Prozeß handelt", bemerkte Glazner. "Das vergangene Jahr war zum Beispiel das wärmste, das je aufgezeichnet wurde. Das beunruhigt natürlich einige."

"Während der letzten Million Jahre sind die Gletscher in der nördlichen Hemisphäre ungefähr zehnmal nach Süden vorgedrungen. Unsere Daten weisen auf eine hohe vulkanische Aktivität hin, seitdem sich die Gletscher zuletzt vor ungefähr 10 000 Jahren zurückgezogen haben. Und die kürzlich angestiegenen Erdbebenaktivitäten erhöhen beispielsweise die Wahrscheinlichkeit von Ausbrüchen im Gebiet der Mammoth Lakes in Ost-Kalifornien in nicht allzu ferner Zukunft", sagte Glazner. "Dorthin sind viele Menschen gezogen wegen des trockenen Klimas und der Möglichkeit Ski und Mountain-Bike zu fahren."

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