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Geomorphologie: Gletscher erhalten das Tibet-Plateau

Übergang vom Tibet-Plateau in den HimalajaLaden...
Das Tibet-Plateau blieb wohl über rund 2,5 Millionen Jahre hinweg geomorphologisch relativ stabil: Der Tsangpo, einer der wichtigsten Flüsse, der die Hochebene entwässert, hinterließ wenig Spuren durch Erosion.

David Montgomery von der University of Washington in Seattle und Oliver Korup vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos erklären sich dieses Phänomen durch den Einfluss lokaler Gletscher, die die Plateaukante während der Kaltzeiten durch Eis erhalten haben. In warmen Phasen zogen sich die Gletscher zwar zurück, sie hinterließen aber Moränenschutt an Flussmündungen, wodurch der Wasserstrom und folglich der Abtrag ebenfalls eingedämmt wurden. Er hinderte den Tsangpo, sich tief in das Plateau einzuschneiden: Der so genannte Knickpunkt, an dem der Fluss über relativ kurze Distanz von der Hochebene in den Yarlung-Zangbo-Canyon – einen der tiefsten und längsten der Welt – stürzt, blieb über lange Zeit weit gehend ortstreu.

Übergang vom Tibet-Plateau in den HimalajaLaden...
Übergang vom Tibet-Plateau in den Himalaja | Der Tsangpo entwässert das Tibet-Plateau. Doch obwohl der Fluss mit Urgewalt durch den angrenzenden Himalaja strömt, verändert er die Hochebene kaum: Gletscher und ihr Schutt verhindern den Abtrag. Ein Moränendamm am Tsangpo (Bildmitte) markiert die Position, bis zu der Gletscher vorgedrungen sind.
In kalten Phasen stießen die Gletscher auf dem Tibet-Plateau dagegen immer wieder vor und stauten den Tsangpo, wodurch sich ausgedehnte Flusstäler mit weitläufigen Terrassen bildeten. Flussaufwärts entstanden so Seen mit dicken Sedimentablagerungen. Sie schützten den Talboden vor Abtragung und schwächten die erosive Kraft des Flusses. Flussabwärts nimmt die Erosion dagegen zu und der Strom schneidet sich tief ein. Die Erdkruste dünnt durch diesen Vorgang aus, und es kommt zu einer tektonischen Hebung, die die erosive Wirkung des Flusses ausgleicht.

Montgomery und Korup nutzten eine Kombination aus Fernerkundung und Feldforschung. Sie suchten Moränen – große Gesteins- und Schuttablagerungen –, die beim Rückzug eines Gletschers abgelagert werden. Die Wissenschaftler kartierten über 300 natürliche Dämme, die sich innerhalb der letzten 10 000 Jahre abgelagert haben. Sie fanden 260 Plätze, an denen Gletscher den Tsangpo stauten. (mh)

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