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Klimaforschung: Gletscherschwund

Gletscher befinden sich hier und dort auf dem Rückzug, das ist nicht neu. In den Alpen schmolzen einige sogar vollständig. Neue Indizien untermauern, dass es sich dabei nicht um einen lokal begrenzten Effekt handelt.
Gletscher, antarktische Halbinsel
Die Eismassen auf der Erde wirken sich maßgeblich auf das Leben und die Entwicklung unseres Klimas aus. Sie beeinflussen die Luftzirkulation, die Meeresströmungen, den Wärmetransport, reflektieren das Sonnenlicht und speichern enorme Mengen Süßwasser. Schmelzen die Polkappen, würde der Meeresspiegel dramatisch steigen und Mensch und Natur der Küstenregionen gefährden.

Jenes gefürchtete Abschmelzen der Eismassen gehört jedoch bereits zum alltäglichen Bild. Anhand von alten Gemälden, Zeichnungen und Fotografien lässt sich beispielsweise der dramatische Rückzug vieler Gletscher in den Alpen mit bloßem Auge nachvollziehen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verloren sie ein Drittel ihrer Fläche. Die Ausdehnung von Gletschern ist jedoch auch unter "normalen" Bedingungen nicht konstant, sondern sie unterliegen einem ständigen Hin und Her zwischen Vorstoß und Rückzug. Allerdings werden sie durch langjährige Klimaveränderungen stärker beeinflusst als durch kurzfristige, lokale Wetterlagen.

Antarktischer Gletscher | Ein Gletscher auf der antarktischen Halbinsel
Auch in der Antarktis, dem vergletscherten Kontinent mit einem bis zu drei Kilometer mächtigen Eispanzer, gibt es diese Phänomene und auch dort beeinflussen viele Faktoren die Bilanz: Der Klimawechsel seit der letzten Eiszeit, regionale Änderungen des Klimas und der Wassertemperaturen. Besonders bemerkenswert ist die antarktische Halbinsel, über deren Gletscher gewaltige Mengen Eis in das Meer fließen. Obwohl Schneefall den größten Teil wieder nachliefert, sind sie doch kontinuierlich auf dem Rückzug.

Alison Cook und ihre Kollegen vom British Antarctic Survey in Cambridge untersuchten jetzt in einer umfassendenden Studie insgesamt 244 Gletscher auf der antarktischen Halbinsel und den umgebenden Inseln. Dabei handelte es sich um so genannte Tidewater-Gletscher, die ihre Fracht direkt ins Meer entladen, und um Schelfeis-Gletscher, mit einem schwimmenden Außenbereich, der in das Meer hineinragt.

Gletscher auf dem Rückzug | Von den 244 in der Studie auf der antarktischen Halbinsel untersuchten Gletschern befinden sich seit den frühesten Beobachtungen 212 (87 Prozent) auf dem Rückzug.
Die Wissenschaftler werteten über 2000 Luftaufnahmen aus den Jahren 1940 bis 2001 und über 100 Satellitenbilder ab den 1960er Jahren aus. 87 Prozent aller Gletscher befanden sich deutlich auf dem Rückzug. Die übrigen zeigten einen im Vergleich eher geringen Vorschub und waren an keinen bestimmten Ort gebunden, sondern eher gleichmäßig entlang der Küste verteilt.

Gletscher mit Vorschub | 32 Gletscher auf der antarktischen Halbinsel zeigten einen geringen Vorschub. Auch sie sind an keinen bestimmten Ort gebunden, sondern eher gleichmäßig entlang der Küste verteilt.
Über den gesamten Untersuchungszeitraum gab es allerdings eine Verschiebung: Zwischen 1945 und 1954 dehnten sich noch 62 Prozent aller Gletscher aus und nur 38 Prozent zogen sich zurück. Erst danach änderte sich das Bild. Zwischen 2000 und 2004 war der Anteil an Gletschern, die sich zurück entwickelten, auf 75 Prozent gestiegen.

Weiterhin kamen die Wissenschaftler zu der Ansicht, dass sich die Gletscher im Norden der Halbinsel eher zurückzogen als die Gletscher in den kälteren Regionen des Südens. Diese Erkenntnisse stimmen mit der seit den 1950er Jahren dort beobachteten Klimaerwärmung um etwa 2,5 Grad Celsius überein.

Um festzustellen, ob der Rückgang der Gletscher wirklich durch menschlichen Einfluss ausgelöst wurde, muss die geografische und zeitliche Ausdehnung der regionalen Erwärmung auf der antarktischen Halbinsel noch mit globalen Zirkulationsmodellen abgeglichen werden. In jedem Fall verdichten sich damit aber die Hinweise auf eine tatsächlich stattfindende globale Erwärmung der Erdatmosphäre.

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