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News: Globales Ballett

Dürren, Überschwemmungen oder reiche Ernten - vom indischen Südwestmonsun hängt Wohl und Wehe eines ganzen Subkontinents ab. Gekoppelt ist sein Auftreten an ein vielfältiges Ballett globaler Ereignisse, und das seit mindestens 11 000 Jahren.
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Jahr für Jahr baut sich über dem tibetanischen Hochplateau im Sommer ein Hitzetief auf und saugt feuchte Meeresluft vom kühlen Indischen Ozean an. Am Himalaya staut sich die Luft, ergiebige Regenfälle bescheren dem Indischen Subkontinent eine reiche Ernte. Doch wehe, der Monsun fällt aus. Dürren, Missernten und Hungersnöte sind die Folge. Auch das andere Extrem, ein zu heftiger Monsun, kann katastrophale Folgen nach sich ziehen, diesmal in Gestalt verheerender Überschwemmungen. So hängt fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Südostasien vom Wohl und Wehe dieses Klimaereignisses ab.

Kein Wunder also, dass Wissenschaftler versuchen, das launenhafte Auftreten des Monsuns zu ergründen. Anil Gupta vom Indian Institute of Technology hat bereits kürzlich zusammen mit David Anderson vom NOAA Paleoclimatology Program und Jonathan Overpeck von der University of Arizona versucht, die Monsunereignisse der letzten 400 Jahre zurückzuverfolgen.

Die Wissenschaftler bedienten sich dabei Sedimentkernen und der darin enthaltenen Foraminifere Globigerina bulloides, die sich praktischerweise besonders dann stark vermehrt, wenn der Monsun besonders heftig weht. Denn dann drückt der Wind das Wasser gegen die Arabische Halbinsel, und nährstoffreiches Tiefenwasser steigt zur Freude der planktischen Organismen auf. Und da die Einzeller in harten Schalen sitzen, die sich fossil gut erhalten, und außerdem das sauerstoffarme Sediment der Arabischen See wenig durch Würmer zerwühlt wird, liegt hier ein gut dokumentiertes Klimaarchiv vor. Dieses Archiv haben die drei Wissenschaftler jetzt weiter ausgewertet.

Dabei ging der ausgewertete Zeitraum noch weiter zurück, und zwar genau 10 877 Jahre. Damals endete gerade die letzte große Eiszeit, der die Warmzeit des Holozäns folgte. Und seit dieser Zeit war der Südwestmonsun beträchtlichen Schwankungen unterworfen. Besonders stark wehte er während der mittelalterlichen Warmperiode zwischen den Jahren 800 und 1300, um dann, während der "Kleinen Eiszeit" von 1300 bis 1870, fast einzuschlafen.

Damit zeigt sich bereits die Kopplung der Monsunereignisse an globale Klimaereignisse. Diese Kopplung konnten die Forscher noch deutlicher belegen, indem sie ihre Daten mit den Hämatitgehalten holozäner Sedimente des Nordatlantiks korrelierten. Dieses Eisenoxid, das als Indikator für Kaltzeiten gilt, trat hier immer dann besonders gehäuft auf, wenn der Monsun über dem Indischen Ozean besonders schwach ausgeprägt war.

Stieg die Temperatur über dem Nordatlantik dagegen wieder an, dann setzte auch der Monsun wieder verstärkt ein. Die Klimaschwankungen des Nordatlantiks sind wiederum an andere klimatische Ereignisse gekoppelt, wie dem El Niño des Pazifiks. Damit ergibt sich ein globaler Reigen, der das Klima des gesamten Planeten bestimmt.

Als Ursache für die damaligen globalen Klimaschwankungen wird die variierende Sonnenaktivität angenommen. Dabei betonen die Forscher, dass nur geringe Veränderungen im Nordatlantik drastische Folgen für das Monsunklima Südostasiens nach sich ziehen können. Angesichts der heutigen raschen Klimaveränderungen durch den Menschen eine wenig beruhigende Beobachtung.

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