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News: Glück im Unglück?

Was mit der Erde in sieben Milliarden Jahren geschieht, wenn sich die Sonne aufbläht und explodiert, ist ein Problem, was selbst unsere fernsten Enkel nicht sonderlich betrifft. Doch es ist gut zu wissen, das unser Planet dann wenigstens eine Chance hat.
Bisweilen müssen sich Wissenschaftler die Frage gefallen lassen, welchen Sinn denn ihre Forschung habe, und wie die Menschen davon profitieren. Während die einen klare Antworten haben, weil sie ein Medikament gegen eine quälende Krankheit oder einen Treibstoff sparenden Motor entwickeln, müssen Grundlagenforscher auf die langfristige Wirkung ihrer Arbeiten hoffen. Kacper Rybicki von der Polish Academy of Sciences und Carlo Denis von der Université de Liege stehen diesbezüglich allerdings ganz schlecht da. Zwar zerbrechen sich die beiden ihren Kopf immerhin über das Schicksal der Erde, doch wird dieses unseren Planeten erst in rund sieben Milliarden Jahren ereilen.

Die Sonne wird nicht ewig scheinen, damit müssen und damit können wir leben. Es ist kaum anzunehmen, dass irgendeiner unserer Nachkommen dieses Ende miterleben wird. Doch wie dem auch sei, es ist ja durchaus interessant, sich ein solches Szenario einmal vorzustellen.

Wie geht es also weiter. In, wie gesagt, vielleicht sieben Milliarden Jahren werden die Treibstoffvorräte der Sonne langsam zur Neige gehen. Aller Wasserstoff wird zu Helium fusioniert sein und unser Heimatgestirn zum Roten Riesen anwachsen. Wenn der Wasserstoff vollends verbraucht ist, wird sich das Helium entzünden und den Roten Riesen während der kommenden paar 100 Millionen Jahre gleichsam auf Reserve laufen lassen. Dann kühlt sich die Sonne langsam ab und ist als weißer Zwerg schließlich nicht mehr als ein Schatten ihrer selbst.

Das wird ein ordentliches Spektakel, und eines ist klar, der planetare Winzling Merkur muss in jedem Fall dran glauben. Er wird von der roten Riesensonne verschluckt und ohne viel Aufhebens verdampfen. Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto werden mit einem blauen Auge davon kommen und die Katastrophe mit mehr oder minder starkem Sonnenbrand überleben. Nur bei Venus und Erde waren sich die Gelehrten bisher nicht so sicher. Immerhin machen sie Mut, denn vermutlich würden es die beiden auch schaffen und sich zunehmend weiter von der Sonne entfernen. Denn die verlöre als Roter Riese einen Teil ihrer Atmosphäre und damit ihrer Masse, sodass auch ihre Anziehungskräfte nachlassen.

Andererseits werden die Planeten, die sich in der Nähe der riesigen Sonne befinden, womöglich durch die äußersten Schichten ihrer Atmosphäre abgebremst. Die Folge wäre, dass die Planeten Venus und Erde schließlich doch auf spiralförmigen Bahnen in die Falle laufen. Es gilt also, bei solchen Prognosen diese abstoßenden und anziehenden Kräfte zu berücksichtigen - so wie Rybicki und Denis es erstmalig taten.

Demnach sieht es für Venus ganz schlecht aus, sie wird auf jeden Fall verschluckt. Die Erde aber ist gerade so weit von der Sonne entfernt, dass sie dem Stern auch im Stadium eines roten Riesen wohl nicht ins Gehege kommt.

Doch leicht wird es der gar nicht mehr blaue Planet auch nicht haben, denn infolge des Heliumbrennes stößt die Sonne dann heftige thermische Pulse aus, und vermutlich reichen diese Attacken aus, um auch der Erde endgültig ein Ende zu bereiten. Vielleicht aber auch nicht, und dann wird sie, verkohlt und bar jeden Lebens ihre Stellung als sonnennächster Planet einnehmen. Uns kann das ja eigentlich ziemlich egal sein, aber irgendwie ist es doch gut zu wissen.

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  • Quellen
Icarus 151: 130–137 (2001)

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