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Soziologie: Glück ist ansteckend

© James Fowler
Geteilte Freude ist doppelte Freude. Was der Volksmund weiß, bestätigt nun auch eine wissenschaftliche Untersuchung. James Fowler von der University of California in San Diego und Nicholas Christakis von der Harvard Medical School in Boston rekonstruierten aus Daten der Framingham Heart Study, in der Personen unter anderem auf einer vierstufigen Skala ihr Glücksempfinden angeben mussten, ein soziales Netzwerk mit knapp 5000 Mitgliedern. Die grafische Auswertung des Beziehungsgeflechts offenbarte ein faszinierendes Gruppenphänomen: Das Glück der Einzelnen pflanzte sich in einer Kettenreaktion durch das Netz fort und beeinflusste Individuen sogar noch über zwei Ecken hinweg. Negative Gefühle breiteten sich dagegen weniger stark aus.

In Zahlen ausgedrückt, beträgt das Ausmaß, in dem jedes glückliche oder unglückliche Mitglied eines sozialen Netzes die Chance auf eigenes Glück erhöht oder senkt, im Mittel neun beziehungsweise sieben Prozent. Die direkte Bekanntschaft mit einem glücklichen Menschen bringt natürlich am meisten: Sie steigert die Glückswahrscheinlichkeit um 15 Prozent. Eine Über-Eck-Verbindung – der glückliche Freund eines Freundes – erhöht sie immerhin noch um zehn und selbst eine Bekanntschaft über zwei Ecken um sechs Prozent.

Am glücklichsten wäre demnach eine Person mit vielen Freunden, die ihrerseits einen großen Freundeskreis haben. Dass solche Netzwerke nicht nur sprichwörtlich Gold wert sind, zeigt der Vergleich mit einer Studie von 1984. Sie hatte ergeben, dass ein 5000-Dollar-Geschenk den Empfänger durchschnittlich nur um zwei Prozent glücklicher macht. Ein uns gänzlich Fremder, nämlich der Freund eines Freundes eines Freundes, verschafft uns somit mehr Glück als ein prall gefüllter Geldbeutel. Wahrlich ein tröstlicher Gedanke in Zeiten der wirtschaftlichen Krise!

Vera Spillner

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