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News: Glutathionbonbons gegen Grippe

Wenn Sie wieder einmal in der Bahn sitzen und Ihr Nachbar am laufenden Band schnieft und hustet, können Sie in Zukunft ganz beruhigt sein, eine Glutathion-Pastille lutschen und sich entspannt zurücklehnen. Offenbar scheint das natürliche Antioxidans, wenn es oral verabreicht wird, die Verbreitung von Grippeviren im Mund- und Rachenraum zu verhindern. Bis das Präparat auf den Markt kommt, sollten Sie allerdings auf die altbewährte Methode zurückgreifen und den Platz wechseln.
Das Tripeptid Glutathion fängt in Zellen gefährliche Oxidantien ab und verhindert somit eine Schädigung der Zelle. Bei Untersuchungen über die Rolle des mit der Nahrung aufgenommenen Glutathions als Abwehrmittel gegen Krebs entdeckten Forscher der Emory University noch eine weitere positive Eigenschaft des Moleküls. Eines der Enzyme, die Glutathion dazu verwenden, krebserregende Chemikalien und Oxidantien auszuschalten, ist in dem Schleimfilm enthalten, der sich auf den Epithelien im Mund- und Nasenbereich befindet. Diese extrazelluläre Barriere gegen gefährliche Stoffe brachte die Wissenschaftler auf den Gedanken, Glutathion gegen Grippeviren einzusetzen.

Infizierte Zellen setzen Influenza-Viren in der Regel in inaktiver Form frei. Um andere Zellen befallen zu können, muss zuerst eine Protease durch Spalten eines der viralen Enzyme die Erreger aktivieren. Proteasen sowie Enzyme, die deren Funktion hemmen – so genannte Inhibitoren – kommen natürlicherweise im Mund-Rachen-Raum vor. Bei einer Vireninfektion kommt es offenbar zu Oxidationsvorgängen, wodurch die natürlichen Proteinaseinhibitoren inaktiviert werden, was die Verbreitung der Viren beschleunigt.

Um die schützende Wirkung von Glutathion zu testen, setzten David W. Jones und seine Kollegen in Kultur gehaltene menschliche Epithelzellen den Influenza-Viren aus. Einem Teil der Ansätze gaben sie das zu untersuchende Antioxidans dem Kulturmedium bei, während eine Kontrollgruppe die Substanz nicht erthielt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Glutathion bei hohen Virenkonzentrationen keinen schützenden Effekt aufweist, während die Zellen bei niedrigen Konzentrationen vollständig von Infektionen verschont blieben. Bei Untersuchungen an Mäusen stellten die Forscher fest, dass bei den Tieren, die das Antioxidans in ihrem Trinkwasser erhielten, im Vergleich zu unbehandelten Exemplaren, die Vermehrung der Viren erheblich zurückging.

"Es scheint, dass wir die Infektion in den oberen Atemwegen stoppen können, wenn wir sie genau am Ort ihrer Entstehung bekämpfen", sagt Jones. "Wir sind der Ansicht, dass wir durch Glutathion in Pastillenform die durch die Viren angegriffenen Gewebe relativ lange Zeit der Substanz aussetzen können. Das kann sehr nützlich sein, wenn man sich in der Nähe einer Person mit Grippe aufhalten muss. Man kann die Infektion für einen Zeitraum von mehreren Stunden blockieren."

Obwohl die bisherigen Daten vermuten lassen, dass Glutathionbonbons helfen könnten, muss das Konzept erst noch beim Menschen untersucht werden, erklärt Jones. Die Pastillen sind seiner Meinung nach auch nicht als Ersatz für Grippeimpfungen bei Gefährdeten anzusehen. "Die orale Einnahme von Glutathion könnte vielmehr Teil einer allgemeinen Strategie zur Erhöhung unserer Abwehrkräfte sein."

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