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Goldkauf: Tausend Tonnen Verwüstung pro Feinunze

Weltweit stürzen sich Menschen auf Gold als Wertanlage. Dass sie damit auch den Regenwald zerstören, wissen die wenigsten. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu ändern.
Luftaufnahme eines großen Waldgebiets mit deutlichen Spuren von Abholzung und Landnutzung. In der Mitte des Bildes sind mehrere helle Flächen sichtbar, die auf menschliche Aktivitäten wie Bergbau oder Landwirtschaft hindeuten. Rauch steigt in der Ferne auf, was auf Brandrodung oder industrielle Prozesse hinweisen könnte. Der Himmel ist bewölkt, und die Landschaft erstreckt sich bis zu den entfernten Bergen am Horizont.
Eine Schneise zerstörten Waldes hinterlassen illegale Goldsucher entlang des Yuyapichis in Peru. Der hohe Goldpreis befeuert den Raubbau in weiten Teilen des Amazonasgebiets.

Panguana ist das, was man sich unter einem Tropenparadies vorstellt. Jahrhundertealte Baumriesen überragen Lianen, Palmen und Blüten. Frösche hüpfen, Moskitos fliegen. Es summt und brummt alles, was die Tierwelt im Regenwald aufzubieten hat. Mittendrin, am Fluss Yuyapichis: die Forschungsstation Panguana.

Als Juliane Diller im September 2025 dorthin zurückkehrt, hört sie das Dröhnen der Bagger und Lastwagen. Nur eine Baumreihe trennt Panguana noch von den tiefen Schneisen, die illegale Goldgräber in den Fluss und den Wald treiben. Bagger graben den Flusssand um und walzen Bäume nieder, um an den goldstaubhaltigen Sand zu gelangen.

Juliane Diller ist in Panguana aufgewachsen. 1968 zogen ihre Eltern, das Zoologenehepaar Maria und Wilhelm Koepcke, an den Oberlauf des Yuyapichis, um das Leben im peruanischen Amazonasgebiet zu erforschen. Bevor ihr Homeschooling im Stelzenhaus begann, ging die junge Juliane frühmorgens mit ihren Eltern in den Wald, um Tiere und Vögel zu beobachten. Die Idylle währte nur zwei Jahre. 1971 stürzte ihr Flugzeug ab. Ihre Mutter kam um. Juliane irrte zehn Tage durch den Regenwald. Als »Dschungelmädchen« wurde sie damals weltweit bekannt.

Die heute 71-Jährige arbeitete als stellvertretende Leiterin der Zoologischen Staatssammlung München. Vor allem aber führt sie bis heute die Forschungsstation Panguana in Peru weiter. Ein Teil des Areals ist inzwischen ein vom peruanischen Staat anerkanntes Schutzgebiet. Es gibt einfache Häuser auf dem Gelände, die Forscher und Künstler aus aller Welt beherbergen.

Die Zerstörung des Paradieses

Doch damit ist vorerst Schluss. Zweimal kamen Polizei und Militär, um die Bergbaumaschinen zu zerstören. Wenige Wochen später waren die illegalen Goldschürfer zurück, nur dieses Mal voller Drohungen gegen Juliane Diller und ihre Angestellten.

Ein Schatz unter den Füßen |

Die Frage, ob sie ihren Wald erhalten oder dem Ruf des Goldes folgen, spaltet ganze Dorfgemeinschaften. Der Weiler Pampas Verdes grenzt unmittelbar an Panguana an und zeigt deutlich die Spuren der kleinen Minen, die das Edelmetall aus dem Sediment des Flusses waschen.

Besonders betroffen macht die Zoologin, dass die Menschen der umliegenden Dörfer, mit denen sie seit Jahrzehnten ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, nun für die illegalen Bergleute arbeiten. »Das ist schon recht mit dem Umweltschutz«, habe ihr ein guter Nachbar gesagt, »aber jetzt müssen wir diese einmalige Gelegenheit nutzen und Geld machen.«

Panguana ist kein Einzelfall im Amazonasgebiet. Vom Ostabhang der Anden bis weit ins amazonische Tiefland zerstören Goldgräber die Natur und verseuchen Gewässer mit Quecksilber und Schweröl. Dorfgemeinschaften spaltet die Frage, ob sie ihren Wald erhalten oder dem Ruf des Goldes folgen.

Auch illegales Gold glänzt

Abbau, Handel und Export von Gold sind in Peru nicht grundsätzlich verboten. Die industriellen Goldminen, oft in Händen internationaler Firmen, haben staatliche Konzessionen. Ihre haushohen Bagger tragen ganze Berge ab und waschen in industriellen Anlagen das Gold heraus. Arbeitsplätze für die umliegenden Kleinbauern springen dabei kaum heraus. Stattdessen sehen die Anwohner, dass der Reichtum unter ihren Füßen weggetragen wird, während sich manchmal – allen Umweltauflagen zum Trotz – das Wasser ihrer Bäche rot färbt und ihre Tiere verenden, wenn sie daraus trinken.

Verkauft werden darf das begehrte Metall trotzdem in alle Welt, auch nach Deutschland. Das hierzulande eingeführte Gold stammt zu 80 Prozent aus industriell arbeitenden Minen.

Doch inzwischen gibt es überall in Peru zahllose Klein- und Kleinstminen. Noch vor 30 Jahren war es allenfalls ein Zubrot für arme Bauern, in aufgelassenen Goldminen nach verbliebenen Resten zu schürfen. Inzwischen ist kein anderer Job auch nur annähernd so rentabel. Mit Pickel oder Waschpfanne ist dabei keiner mehr unterwegs. Selbst »kleine« illegale Minen arbeiten mit Baggern, Frontladern und Lastwagen, die das goldhaltige Material zur Weiterverarbeitung bringen.

Einmal selbst auf der Gewinnerseite stehen, von einer historischen Gelegenheit profitieren – darin sehen viele arme Peruanerinnen und Peruaner eine Art ausgleichende Gerechtigkeit. Der Weltmarktpreis für Gold ist auf Höchststände gestiegen. Kostete die Feinunze im Jahr 2000 noch knapp 280 Dollar, zahlen Endkunden inzwischen über 4500 Dollar. Das ist mehr als das 16-Fache. Und auch für die Schürfer springt ein beträchtlicher Verdienst heraus.

Kein Wunder, dass inzwischen bei einigen illegalen Goldgruben kriminelle Banden das Sagen haben: So steckt manchmal Drogengeld hinter dem Kauf der Bagger, das auf diese Weise gewaschen wird. Genau weiß das niemand. Und viele wollen es auch nicht wissen.

Goldkauf leicht gemacht

Im imposanten Schalterraum einer Bank in einer deutschen Großstadt wendet sich eine der Autorinnen an die Kassiererin: »Ich möchte Gold kaufen.« Die Bankangestellte lächelt. Neben ihr glänzen verschiedene Barren und Münzen unter einer Plexiglas-Haube. »Nur Muster« steht vorsichtshalber darauf.

Es seien noch mehrere 100-Gramm-Platten unten im Tresor. Auf die Frage, ob das Gold unbedenklich sei und wo es überhaupt herkomme, reagiert die Dame verständnisvoll. »Nein, durch Kinderarbeit ist das nicht gewonnen«, wehrt sie ab. Sie schaut in ihrem Rechner nach. »Aus Belgien«, antwortet sie freundlich.

Woher es ursprünglich stammt, das kann sie aber nicht sagen. Nach einem Anruf in der Zentrale stehen vier Buchstaben auf ihrem Notizblock: »LBMA«. Das ganze Gold, das die Bank verkaufe, sei LBMA-zertifiziert.

LBMA steht für London Bullion Market Association. Diese Handelsvereinigung setzt den wichtigsten Qualitätsstandard im Goldhandel. Er soll eigentlich die Unbedenklichkeit der Herkunft des Goldes garantieren. Eigentlich. Doch dazu später mehr.

Jedes Obst oder Gemüse im deutschen Supermarkt weist seine Herkunft aus: Bananen aus Ecuador, Gurken aus Holland. Beim Gold scheint die Antwort nicht so einfach zu sein. Kein Schild, kein Informationsmaterial, keine Ahnung.

An der Grenze abgefangen

Wo das Gold herkommt, das fragen sich inzwischen auch Zollbeamte in Peru.

Die Kamera schwenkt von meterhohen Warenregalen auf Polizisten mit kugelsicheren Westen. Sie tragen zwei weiße Plastiksäcke, die bereits für den Export abgefertigt waren: In jedem steckt ein Holzkistchen und darin wiederum ein einzelner Goldbarren. Eine halbe Million US-Dollar sei der Wert, sagt ein Staatsanwalt. Der Barren wird beschlagnahmt. Zwei Jahre lang hat er ermittelt, bis er die Bande schnappen konnte, die Gold im Wert von mehreren Millionen außer Landes gebracht hatte.

Bilder wie diese vom April 2025 sind immer öfter im peruanischen Fernsehen zu sehen. Meist geht es um Gold, dessen Ursprung die Exporteure nicht nachweisen können. Es könnte auch aus Panguana stammen.

Doch die »Goldwäscher« sind schneller als die Staatsanwälte. Nur rund 20 Prozent des illegal geschürften Goldes würden sie am Zoll abfangen, schätzt ein Vertreter der Staatsanwaltschaft für Geldwäsche. Und das auch bloß, wenn sie einen Hinweis von einem Insider bekämen. Der Staatsanwalt, der anonym bleiben möchte, sitzt in seinem kleinen, mit Papieren vollgestopften Büro in der Altstadt von Lima und spricht von »Sisyphosarbeit«.

Denn der peruanische Staat hat den kleinen Goldschürfern de facto einen Blankoscheck ausgestellt: Jeder darf sein Gold legal handeln, sofern er sich in ein Verzeichnis des Bergbauministeriums einträgt und zusichert, alle erforderlichen Nachweise, etwa über die Rechtmäßigkeit und Umweltverträglichkeit seiner Tätigkeit, nachzureichen. Da der peruanische Kongress aber die Fristen noch jedes Jahr zuverlässig verlängert hat, stellt das Verfahren in der Praxis keine nennenswerte Hürde für Illegale dar. Derzeit sind 87 000 Goldschürfer registriert, aber nur 11 000 erfüllen bereits alle Auflagen. Insgesamt, so schätzt man, leben in Peru rund 300 000 Personen vom Klein- und Kleinstbergbau.

Manche illegalen Goldgräber, wie etwa die von Panguana, pfeifen gleich ganz auf den staatlichen Blankoscheck, denn an einem Fluss im Regenwald vergibt der peruanische Staat ohnehin keine Konzessionen. Steht eine Razzia bevor, werden sie gewarnt und verstecken ihre Maschinen rechtzeitig, berichtet Juliane Diller.

Doch wie schaffen die Illegalen ihre Ausbeute außer Landes? Sonderlich schwer sei das nicht, sagt der Staatsanwalt: Manch offiziell registrierter Minenbetreiber ist gegen einen entsprechenden Obolus gerne bereit, das illegal geschürfte Gold als das eigene auszugeben. Dem Gold sieht man seine Herkunft eben nicht an.

Höchstens kommt man dem Schwindel auf die Spur, wenn man die auf dem Exportzettel vermerkten angeblichen Schürforte aufsucht: »Einmal sind wir statt in einer Mine auf einem Acker gelandet, ein anderes Mal sogar an einem Strand«, erinnert sich der Staatsanwalt. Doch diese Inspektionen finden selten statt. Sie kosten viel Zeit und Geld. So bleibt es dabei, wie so oft: Die Profite werden individualisiert, die Umweltschäden trägt die Gemeinschaft.

Schweizer Markengold

»Kein Mensch der Welt kann ganz sicher sagen, wo das nach Deutschland importierte Gold ursprünglich herkommt«, sagt Matthias Baier. Er ist Leiter der DEKSOR, der deutschen Kontrollstelle für EU-Sorgfaltspflichten in Rohstofflieferketten.

Ein Barren im Wert von knapp 1,5 Millionen Euro |

Kein Mensch könne ganz sicher sagen, wo das nach Deutschland importierte Gold ursprünglich herkomme, sagt Behördenleiter Matthias Baier.

Dabei scheint die Antwort so einfach zu sein: Das Gold kommt aus Belgien, wie die Bankmitarbeiterin erklärte. Oder aus der Schweiz. Doch das ist jeweils nur die letzte Station einer mitunter sehr langen Reise.

Die Schweiz ist die wichtigste Drehscheibe des internationalen Goldhandels. Rund ein Drittel des weltweit verarbeiteten Goldes wird hier raffiniert. Das entspricht jährlich etwa 2400 Tonnen. Edelmetall in einem Marktwert von 140 Milliarden Euro. Von dort geht es weiter in alle Welt, auch nach Deutschland. 70 Prozent ihres Goldes beziehen Käufer in der Bundesrepublik von dort, im Jahr 2024 immerhin rund 40 Tonnen.

Das am peruanischen Flughafen vor laufenden Kameras konfiszierte Gold war nicht für die Schweiz bestimmt. Zumindest nicht direkt. Es sollte in die Vereinigten Arabischen Emirate gehen, und das vermutlich nicht ganz zufällig: Der arabische Staat ist ein globaler Hub für Gold jeglichen – auch fraglichen – Ursprungs.

Welchen weiteren Weg es von den Emiraten aus genommen hätte, ist unbekannt. Vielleicht doch noch in die Schweiz? Statistiken zeigen, dass die Schweiz das Metall in durchaus nennenswerten Mengen aus den Emiraten importiert. Zwischen 2014 und 2024 waren es insgesamt mehr als 1624 Tonnen. Da laut Schweizer Gesetz immer nur die jeweils letzte Station des Goldes deklariert werden muss – in diesem Fall eben die Vereinigten Arabischen Emirate –, gebe es große Schlupflöcher für Ware mit zweifelhafter Herkunft, bemängelt die Schweizer Nichtregierungsorganisation »Swissaid«.

In Deutschland und der EU ist das anders. Wer ins Unionsgebiet Gold einführen will, muss umfangreiche Sorgfaltspflichten erfüllen. So soll verhindert werden, dass Material in den Handel gelangt, mit dem Konflikte finanziert oder Menschenrechtsverletzungen begünstigt werden. Die Vorgaben beziehen ausdrücklich die gesamte Lieferkette mit ein und zielen darauf ab, eine Rückverfolgbarkeit zum Ursprungsland zu ermöglichen.

In der Praxis werden Importeure diesen Anforderungen allerdings nicht immer gerecht, zeigen die Überprüfungen der DEKSOR. Wie Matthias Baier erklärt, decke seine Behörde regelmäßig Mängel auf: Die Rückverfolgbarkeitssysteme seien unvollständig, es mangle an Transparenz seitens der Raffinerien, und es werde auf Standards von Industrievereinigungen verwiesen. Importieren sie das Gold aus der Schweiz, endet für die DEKSOR dort die Zuständigkeit.

Jahrelang verlangte auch der LBMA-Standard, auf den die Mitarbeiterin in der Bankfiliale verwies, nur die Angabe der letzten Station. Seit Anfang 2026 haben sich die LBMA, aber auch einige Schweizer Raffinerien, strengere Transparenzvorgaben gemacht. Sie verlangen nun etwa zwingend bestimmte Herkunftsangaben – allerdings nur für Gold aus Hochrisikoländern, in denen es im Zusammenhang mit dem Goldabbau zu schweren Menschenrechtsverletzungen kommt oder wo das Edelmetall zur Finanzierung bewaffneter Konflikte genutzt wird. Ein Land wie Peru zählt nicht dazu.

Recycling-Gold mit Fragezeichen

Ein reineres Gewissen beim Goldkauf scheint sogenanntes Recyclinggold zu versprechen, weil die Frage des Abbaus komplett ausgeklammert werden kann. Doch leider ist Recyclinggold nur auf den ersten Blick unbedenklich. »Wer soll dieses Gold kontrollieren?«, fragt DEKSOR-Leiter Matthias Baier. Es sei kein Minengold und so ein potenzielles Mittel, um die Herkunft aus Konflikt- und Hochrisikogebieten zu verschleiern.

Rund 1400 Tonnen Gold, die 2025 in den Handel kamen, fielen in diese Kategorie. Dabei kann es sich durchaus um Omas alten Ring handeln oder um Zahngold oder Münzen. Aber auch illegales Gold kann auf diese Weise in den Weltmarkt geschleust werden. Schmuggler lassen es beispielsweise zu einfachem Schmuck oder Gürtelschnallen verarbeiten und bringen es dann auf Linienflügen außer Landes. Auf ähnliche Weise gelangt auch Gold aus Konfliktstaaten in den offiziellen Markt.

Wer sichergehen will, dass sein Gold wirklich aus verantwortlichem Abbau stammt, dem hilft darum auch der neue, strengere LBMA-Standard nicht weiter. NGOs wie Swissaid kritisieren das als unzureichend: Die gesamte Lieferkette müsse offengelegt werden, um es illegalen Akteuren zu erschweren, ihre Ware in den legalen Handel zu schleusen – egal, ob es sich um Gold aus einem »Hochrisikoland« handelt oder nicht. Für die Zeit ab 2027 stellt LBMA solche umfassenderen Angaben in Aussicht. Das Problem scheint be- und erkannt zu sein. Tricksereien wird allerdings auch die neue Regelung nicht verhindern.

Fair gehandelt

Ist also auch dem Gold im Trauring nicht zu trauen? Jein, möchte man antworten. Die bereits beschriebenen Taktiken, illegal geschürftes Gold als legal abgebautes zu deklarieren, trüben den Glanz des Edelmetalls.

Jeder Abbau, und mag er noch so nachhaltig sein, stellt einen großen Eingriff in die Natur dar, denn in einer Tonne goldhaltigen Erzes finden sich nur ungefähr drei bis acht Gramm Gold. Um es herauszulösen, verwenden vor allem die kleinen und mittelgroßen Goldminen das extrem schädliche Quecksilber. Mehr als ein Drittel des Quecksilbers, das weltweit in die Umwelt gelangt, stammt laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen von diesen Betrieben. Es ist für die Schürfer die schnellste und effektivste Methode, um an das Metall zu kommen.

Schmuckes Dubai |

Die Emirate sind ein globaler Hub des Goldumschlags – auch für solches aus zweifelhaften Quellen. Die glanzvollen Auslagen der Juweliere sind dabei nur der sichtbare Teil des Milliardengeschäfts.

Dass es auch anders gehen kann, haben Pioniere wie Florian Harkort gezeigt. Der ehemalige Entwicklungshelfer gründete 2015 die Firma »Fairever« und wurde damit zum ersten zertifizierten Händler für fair gehandeltes Gold in Deutschland. Kurz vor der Anschlussstelle Leipzig-Nordost hat das Unternehmen seinen Sitz. Es ist bis heute darauf spezialisiert, ausschließlich solches Gold zu verkaufen, das aus umweltschonendem und sozialverträglichem Abbau stammt.

Laut Geschäftsführerin Desirée Binternagel kommt das Fairever-Gold aus 13 Minen in Südamerika: zwölf in Peru und eine in Kolumbien. Alle seien sie nach verschiedenen Standards des verantwortungsvollen Abbaus zertifiziert, etwa nach dem »Fairmined«-Standard. Darüber hinaus ermögliche Fairever eine lückenlose Rückverfolgbarkeit, erklärt Binternagel. Das Gold werde in versiegelten Säcken transportiert und in England separat von Gold aus anderen Herkünften raffiniert. Nur eine der 13 Minen verwende Quecksilber. Alle anderen würden Methoden nutzen, die das Gold mithilfe seiner hohen Dichte von Sand und Geröll trennen.

Faires Gold aus Peru |

Edelmetall, das aus Fairtrade-zertifizierten Minen stammt, wird separat von anderem Gold transportiert und raffiniert. So soll eine Vermischung verhindert und Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden.

Ein Investmentfonds mit fairem Gold

Bekannter und verbreiteter als der Standard »Fairmined« ist das Label »Fairtrade«, das Supermarktkunden sonst etwa auf Kaffee oder Bananen begegnet. Es bietet auch Zertifizierung für Goldminen an.

In einem modernen Büro in Zürich sitzt Peter Huber und erklärt im Video-Interview, welche Vorteile es für Goldminen hat, ihrem Gold dieses Label zu verpassen. Huber ist Leiter Gold bei der Max Havelaar-Stiftung, die als Mitglied der Dachorganisation Fairtrade International für den Goldhandel unter Fairtrade-Standards zuständig ist.

Minen im Fairtrade-System verpflichten sich, bestimmte Auflagen einzuhalten, etwa was die Arbeitssicherheit, Gesundheitsfürsorge oder den verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien angeht. Auch hat Fairtrade ein System etabliert, mit dem das Gold über alle Stationen der Lieferkette rückverfolgt werden kann. Zugleich müssen sie regelmäßige unabhängige Kontrollen dieser Auflagen ermöglichen.

Im Gegenzug bekommen sie von den Abnehmern ihres Rohgolds einen Preis gezahlt, der mindestens 95 Prozent des aktuellen Weltmarktpreises beträgt. Obendrein erhalten sie noch eine Prämie von 2000 Dollar pro Kilogramm verkauften Goldes, die in Gemeinschaftsprojekte fließt. Das entspricht aktuell einem Aufschlag von knapp 1,5 Prozent auf den Kaufpreis. Bei Fairmined-Minen sind es 4000 US-Dollar, bei solchen mit zusätzlicher Öko-Zertifizierung sogar 6000 Dollar. Im Übrigen stellt die Fairmined-Zertifizierung ähnliche Anforderungen wie Fairtrade.

Vielleicht wichtiger noch als die Prämie ist für die Minenbetreiber der direkte Zugang zu internationalen Märkten und die langfristige Bindung an Fairtrade-Abnehmer. Als Schweizer Raffinerien zuletzt wegen Überbeständen kein Gold mehr nachkauften, hätten die peruanischen Minen ihre Geschäftsbeziehungen trotzdem aufrechterhalten, erklärt Huber. Für den Goldfachmann ist das ein Beleg, dass das Fairtrade-System auch für die Minenbetreiber funktioniere – trotz der Auflagen.

In elf Jahren seien über sechs Tonnen Fairtrade-Gold exportiert worden und zu 90 Prozent in der Schweiz verkauft worden, sagt Huber. Sogar einen Fonds gibt es inzwischen, der weltweit als erster und einziger ausschließlich mit fair gehandeltem Gold hinterlegt ist. Die Fairtrade-Prämie wird an die Anteilseigner weitergereicht – wer Anteile kauft, zahlt also einen kleinen Aufpreis. Allerdings erhält man diesen bei einem Verkauf von Anteilen wieder zurück.

»Transparente Herkunftsnachweise in Verbindung mit Engagement in den Abbaustätten sind der richtige Weg, um auch die Bedingungen vor Ort zu verbessern«, sagt DEKSOR-Leiter Baier.

Solange aber alles beim Alten bleibt, bleibt der globale Goldboom ein massives Problem für die Herkunftsländer und ihre Umwelt. »Irgendwann wird das Gold ja erschöpft sein«, hofft Juliane Diller. Mit ihren 71 Jahren kämpft sie weiter für den Erhalt von Panguana. »Es ist mir eine Herzensangelegenheit, den Wald zu schützen, der mir vor 54 Jahren das Leben gerettet hat. Ich denke, das werden wir auch schaffen.«

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