Direkt zum Inhalt

Goldsuche: Regenwald mit größter Quecksilberverseuchung

Tausende Goldgräber durchwühlen den südamerikanischen Regenwald. Selbst Gebiete abseits der Gruben werden dabei massiv kontaminiert.
Goldabbau im brasilianischen Regenwaldgebiet

Auf der Suche nach Gold durchwühlen tausende Goldsucher Flussläufe in Peru, Venezuela und Brasilien. Dabei hinterlassen sie nicht nur Schlammwüsten und zerstörte Ökosysteme. Als Nebenwirkung kontaminieren sie auch angrenzende Gebiete mit Quecksilber, das sie zur Goldgewinnung einsetzen. Jaqueline Gerson von der Duke University in Durham und ihr Team wiesen im peruanischen Regenwald die höchsten Verseuchungen durch Quecksilber aus der Atmosphäre nach, die man bislang festgestellt hat, wie sie in »Nature Communications« berichten.

Die Arbeitsgruppe untersuchte dazu Proben aus intakten Regenwaldflächen aus der Region Madre de Dios, in die in den letzten Jahren tausende Goldsucher auf der Suche nach dem Rohstoff geströmt sind. Um das Gold zu gewinnen, nutzen sie Quecksilber, das das Gold bindet. Um das Edelmetall schließlich freizusetzen, wird das Flüssigmetall verdampft und gelangt so in die Atmosphäre. Anschließend wird das Quecksilber durch Regen ausgewaschen oder es setzt sich auf der Blattoberfläche ab und gelangt so in den Nahrungskreislauf und die Böden.

Proben aus der pflanzlichen Biomasse, aus Vögeln oder dem Substrat sowie der Luft belegen, wie hoch der Eintrag dort ist. »Höher als in jedem anderen bisher untersuchten Ökosystem auf der ganzen Welt«, sagt Gerson. Dabei steigt die Konzentration noch, je intakter der Wald ist, weil das dichte Blattwerk die Quecksilbertröpfchen auskämmt. Bis zu 61 Nanogramm Quecksilber rieseln an manchen Stellen pro Liter Wasser auf das Ökosystem. Vergleichbare Werte fand die Arbeitsgruppe nur für stark industrialisierte Gebiete in Guizhou in China, wo die Einträge aus dem Zinnabbau und aus Kohlekraftwerken stammen.

In den Böden fand dadurch ebenfalls bereits eine Quecksilberanreicherung statt, die manchen Industrieregionen in den USA, China und Südkoreas entspricht. Besonders kritisch ist dabei das Auftreten von Methylquecksilber, das sich leicht in der Nahrungskette anreichert und die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Es wirkt als Neurotoxin und beeinträchtigt die kognitiven Fähigkeiten von Menschen und Tieren. Vögel in stark belasteten Gebieten rund um die Goldminen wiesen drei- bis zwölfmal so viel Quecksilber in den Federn auf wie Artgenossen in unbelasteten Regionen. Derart hohe Quecksilberkonzentrationen könnten zu einem Rückgang des Fortpflanzungserfolgs dieser Vögel um bis zu einem Drittel führen.

»Diese Wälder leisten einen enormen Beitrag, indem sie einen großen Teil des Quecksilbers auffangen und verhindern, dass es in die globale Atmosphäre gelangt«, sagt die Studienleiterin Emily Bernhardt. »Umso wichtiger ist es, dass diese Wälder nicht verbrannt oder abgeholzt werden, denn dadurch würde das gesamte Quecksilber wieder in die Atmosphäre gelangen.«

Die Kontamination mit Quecksilber reicht damit weit über das bislang bekannte Problem mit den Gewässern der Region hinaus. Gerson und Co haben darauf 2020 hingewiesen: Durch den Abbau bilden sich zahlreiche Tümpel, die hochgradig mit Quecksilber verseucht sind. Die Bedingungen in diesen Gewässern sorgen sogar dafür, dass sich das toxische Flüssigmetall in eine noch giftigere Variante umwandelt. Die Konzentration an Methylquecksilber ist in den Tümpeln fünf- bis siebenmal so hoch wie in den Flüssen der Region.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte