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Griechenland: Goldverzierte Fürstengräber gefunden

In der griechischen Ruinenstätte Pylos ist Archäologen ein sensationeller Fund gelungen. Sie haben zwei 3500 Jahre alte Kuppelgräber ausgegraben, die einst mit Blattgold ausgekleidet waren.
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Pylos im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes – hier soll einst König Nestor geherrscht haben. In der »Ilias« von Homer ist er der greise, weise Heros unter den Griechen, die Troja belagern. Seine Heimat kennen Archäologen. Schon 1912 fanden die ersten Grabungen statt, auch danach wurde immer wieder in Pylos gearbeitet, regelmäßig dann seit 1952. Die Ausgräber deckten eine Palastruine und herrschaftliche Gräber auf, die aus mykenischer Zeit vom 16. bis 11. Jahrhundert v. Chr. stammen. In den letzten Jahren glückten Forschern weitere erstaunliche Funde in Pylos, die zeigen: Einst herrschten dort wohlhabende Fürsten.

Seit 2015 graben Archäologen der University of Cincinnati in Pylos. Bereits im ersten Jahr machten sie eine sensationelle Entdeckung: das unberührte Grab eines Kriegers, der mit mehr als 1500 Beigaben aus Gold, Elfenbein, Silber, Halbedelsteinen und Bronze vor über 3500 Jahren beigesetzt worden war. Die Ausgräber tauften den Toten »Greifenkrieger«. Den Namen leiteten sie von einem Elfenbeinplättchen ab, das im Grab lag. Darauf ist ein Greif – ein geflügeltes Fantasiewesen halb Raubkatze, halb Greifvogel – zu sehen.

Wenige Jahre später haben die Archäologen nun zwei weitere Fürstengräber entdeckt – samt einigen Resten des reichen Beigabenschatzes: Blattgold, Schmuck und Siegelsteine. Es handelte sich einst um Kuppelgräber, so genannte Tholoi, die vor über 3500 Jahren errichtet worden waren – ungefähr zur selben Zeit wie das Grab des Greifenkriegers und das berühmte Gräberrund von Mykene. Vor fast 150 Jahren hatte Heinrich Schliemann in Mykene die besonderen Grablegen von neun Männern, acht Frauen und zwei Kindern entdeckt. Das vielleicht bekannteste Fundstück aus hunderten Beigaben: die Maske des Agamemnon.

Neue Tholosgräber in Pylos

Auf die beiden neuen Gräber in Pylos stießen die US-Archäologen bereits 2018. Sie hatten die bronzezeitlichen Gruften während einer Begehung rund um die mykenische Palastruine entdeckt. Anderthalb Jahre lang legte das Team um das Archäologenehepaar Jack Davis und Sharon Stocker die Gräber frei, jüngst gaben die Archäologen den Fund bekannt. Die größere der beiden Begräbnisstätten misst im Durchmesser rund zwölf Meter, die andere zirka neun Meter. Sie bestehen aus aufgeschichteten Steinblöcken, die eine Gewölbekuppel bilden, mit Erde bedeckt und über einen langen, mit Mauern flankierten Gang zugänglich waren. In mykenischer Zeit ließen sich die Angehörigen der Oberschicht über mehrere Generationen hinweg an solchen Orten bestatten.

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Die Tholosgräber von Pylos | Das Grab ganz links in der Luftansicht fand 1939 der Archäologe Carl Blegen, das Kuppelgrab in der Mitte und rechts entdeckten Forscher im Jahr 2018. Den Fund machten sie jetzt publik.

Die Kuppeln der Gräber in Pylos sind zwar eingestürzt, doch unter den Blöcken blieben zahlreiche Beigaben erhalten. Wie Davis und Stocker beschreiben, lagen auf dem Boden verstreut Reste von Blattgold, das – so vermuten die Forscher – einst die Innenfläche der Kuppeln bedeckte. Außerdem fanden sich mehrere goldene Schmuckteile, darunter ein goldener Siegelring, auf dem zwei kauernde Stiere und Weizenähren dargestellt sind. »Es ist eine interessante Szene der Tierhaltung – Rinder zusammen mit Getreide. Beides bildet die Grundlage des Ackerbaus«, erklärt Davis. »Soweit wir wissen, ist das die einzige Darstellung von Getreide in der Kunst der kretischen oder minoischen Kultur.«

Mischwesen am Altar

Besonderes Augenmerk richteten die Archäologen auf einen Siegelstein aus Karneol. Darauf sind zwei Dämonen zu erkennen, die Fachleute auch Genien nennen. Es handelt sich um typische Mischwesen aus der minoischen und der mykenischen Glaubenswelt. In diesem Fall sind es aufrecht stehende Raubkatzen, die an einem Altar eine Kanne und ein Weihrauchgefäß in den Pfoten halten. Über der Szene befindet sich ein auffälliges Sternsymbol. »Das ist selten. Es gibt nicht viele Bilder von Sternen mit 16 Armen in der mykenischen Ikonografie«, erklärt Stocker. Das Symbol ziert auch einen weiteren Fund aus den Tholosgräbern. »Die Tatsache, dass wir gleich zwei Gegenstände mit 16-armigen Sternen haben, ist bemerkenswert«, sagt die Archäologin weiter. Zwar will das Team das Symbol noch nicht näher deuten, denkbar wäre aber, dass es sich um eine Art Familienemblem oder Wappen handelt.

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Goldener Siegelring aus Pylos | Auf dem zirka zwei Zentimeter breiten Bildfeld des Siegelrings sind zwei Stiere umgeben von Getreideähren dargestellt.

Beachtlich sei auch ein Anhänger aus Gold, der das Konterfei der Hathor zeigt. Typisch für das Bild dieser ägyptischen Göttin sind ihre Kuhohren und die großen Seitenlocken. »Diese Entdeckung ist besonders interessant, da Hathor in Ägypten als Beschützerin der Toten galt«, sagt Davis. In der Bronzezeit standen die Kulturen der Mittelmeerregion in engem Austausch. Auch in den Gräbern von Mykene, die Heinrich Schliemann 1876 frei legen ließ, lagen Objekte, die stilistisch an die kretische und ägyptische Kunst erinnern. Vermutlich pflegten auch die Fürsten von Pylos im 16. Jahrhundert v. Chr. engen Kontakt zu den benachbarten Hochkulturen.

Zu jener Zeit hatten sich in Griechenland Fürstentümer herausgebildet, deren Herrscher großen Reichtum ansammelten. Am bekanntesten sind die reich ausgestatteten Gräber von Mykene, aber auch in Tiryns oder in Orchomenos und Theben in Mittelgriechenland müssen Herrschersitze existiert haben. An diesen Orten sind noch heute die Ruinen von Burgen, Palastbauten und Tholosgräbern erhalten.

Der Palast des Nestor

Die neu entdeckten Gräber von Pylos befinden sich im Umfeld der Palastruine auf einer Anhöhe mit Blick übers Mittelmeer. Der erste Ausgräber von Pylos, der Amerikaner Carl Blegen, benannte Ende der 1930er Jahre die Ruine als »Palast des Nestor« nach dem griechischen Anführer in der »Ilias«.

Pylos liegt im Südwesten des Peloponnes. Vermutlich war der Ort im 2. Jahrtausend v. Chr. ein wichtiger Anlaufpunkt für den Austausch mit den Kulturen in Italien. Die Fürsten von Pylos gelangten womöglich so zu Reichtum. Diese These würden zumindest die neuen Grabfunde nahe legen, finden die Ausgräber Stocker und Davis.

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Siegel aus Karneol | In einem der beiden neu entdeckten Gräber in Pylos fand sich ein Siegel aus Karneol. Darauf sind zwei Mischwesen an einem Altar gezeigt.

Von besonderem Reichtum zeugte bereits das Grab des Greifenkriegers. Wie die Archäologen beim Studium der Skelettreste herausfanden, war der Tote im Alter von 30 bis 35 Jahren gestorben. Zu Lebzeiten dürfte er ungefähr 1,70 Meter groß gewachsen sein. Man hatte ihn in einem Holzsarg am Boden eines anderthalb Meter tiefen, gemauerten Schachts beerdigt – und mit ihm hunderte kostbare Objekte. Die Ausgräber bargen unzählige Perlen aus Bernstein, Karneol, Amethyst, Glas und Gold, über 50 Siegelsteine, geschnitzte Plättchen und Kämme aus Elfenbein, Gefäße aus GoId, Silber und Bronze sowie Waffen. Zweifellos musste der Greifenkrieger zu Lebzeiten eine hohe Stellung eingenommen haben. War er ein Fürst von Pylos gewesen? Vier goldene Siegelringe, auf denen miniaturhafte Bilder von Göttinnen und heiligen Symbolen prangen, stechen ganz besonders unter den Funden hervor. Ebenso ein geschnittener Stein, nur etwas mehr als dreieinhalb Zentimeter groß: Mit einer verblüffenden Detailfreude hatte der Steinschneider das Bild zweier Krieger herausgearbeitet, die über dem Leib eines Gefallenen kämpfen.

Noch sind Jack Davis und Sharon Stocker vollauf mit der Bearbeitung der Funde beschäftigt. Sie haben weitere Veröffentlichungen angekündigt. Aus Pylos darf man also noch mit einigen Überraschungen rechnen.

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