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Griechenland: Goldverzierte Fürstengräber gefunden

In der griechischen Stadt Pylos ist Archäologen ein sensationeller Fund gelungen. Sie haben zwei 3500 Jahre alte Gräber frei gelegt, die einst wohl mit Blattgold ausgekleidet waren.
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Archäologen haben in Pylos zwei Fürstengräber samt reicher Beigaben wie Blattgold, Schmuck und Siegelsteinen frei gelegt. Die Kuppelgräber im Süden der Halbinsel Peloponnes waren ungefähr zur selben Zeit errichtet worden wie das berühmte Gräberrund von Mykene – vor zirka 3500 Jahren also.

Bereits im Jahr 2018 hatten Forscher der University of Cincinnati die beiden bronzezeitlichen Gruften während einer Begehung rund um die mykenische Palastruine von Pylos entdeckt. Anderthalb Jahre lang legte das Team um Jack Davis und Sharon Stocker die Gräber frei, nun gaben die Archäologen den Fund bekannt. Die größere der beiden Begräbnisstätten misst im Durchmesser rund zwölf Meter, die andere zirka neun Meter. Sie bestehen aus aufgeschichteten Steinblöcken, die eine Gewölbekuppel bilden, mit Erde bedeckt und über einen langen, mit Mauern flankierten Gang zugänglich waren. Es handelt sich also um Tholosgräber. In mykenischer Zeit, der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., ließen sich die Angehörigen der Oberschicht über mehrere Generationen an solchen Orten bestatten.

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Die Tholosgräber von Pylos | Das Grab ganz links in der Luftansicht fand 1939 der Archäologe Carl Blegen, das Kuppelgrab in der Mitte und rechts entdeckten Forscher im Jahr 2018. Den Fund machten sie jetzt publik.

Die Kuppeln der Gräber in Pylos sind zwar eingestürzt, doch unter den Blöcken blieben zahlreiche Beigaben erhalten. Wie Davis und Stocker beschreiben, lagen auf dem Boden verstreut Reste von Blattgold, das – so vermuten die Forscher – einst die Innenfläche der Kuppeln bedeckte. Außerdem fanden sich mehrere goldene Schmuckteile, darunter ein goldener Siegelring, auf dem zwei kauernde Stiere und Weizenähren dargestellt sind. »Es ist eine interessante Szene der Tierhaltung – Rinder zusammen mit Getreide. Beides bildet die Grundlage des Ackerbaus«, erklärt Davis. »Soweit wir wissen, ist das die einzige Darstellung von Getreide in der Kunst der kretischen oder minoischen Kultur.«

Mischwesen am Altar

Besonderes Augenmerk richteten die Archäologen auf einen Siegelstein aus Karneol. Darauf sind zwei Dämonen zu erkennen, auch Genien genannt. Es handelt sich um typische Mischwesen aus der minoischen und der mykenischen Glaubenswelt. In diesem Fall sind es aufrecht stehende Raubkatzen, die an einem Altar eine Kanne und ein Weihrauchgefäß in den Pfoten halten. Über der Szene befindet sich ein auffälliges Sternsymbol. »Das ist selten. Es gibt nicht viele Bilder von Sternen mit 16 Armen in der mykenischen Ikonografie«, erklärt Stocker. Das Symbol ziert auch einen weiteren Fund aus den Tholosgräbern. »Die Tatsache, dass wir gleich zwei Gegenstände mit 16-armigen Sternen haben, ist bemerkenswert«, sagt die Archäologin weiter. Zwar deutet das Team das Symbol nicht näher, denkbar wäre aber, dass es sich um eine Art Familienemblem oder Wappen handelt.

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Goldener Siegelring aus Pylos | Auf dem zirka zwei Zentimeter breiten Bildfeld des Siegelrings sind zwei Stiere umgeben von Getreideähren dargestellt.

Ebenfalls bemerkenswert ist laut den Archäologen ein Anhänger aus Gold, der das Konterfei der ägyptischen Göttin Hathor zeigt. Typisch für das Bild der Hathor sind ihre Kuhohren und die großen Seitenlocken. »Diese Entdeckung ist besonders interessant, da Hathor in Ägypten als Beschützerin der Toten galt«, sagt Davis. In der Bronzezeit standen die Kulturen der Mittelmeerregion in engem Austausch. Auch in den Gräbern von Mykene, die Heinrich Schliemann 1876 frei legen ließ, lagen Objekte, die stilistisch an die kretische und ägyptische Kunst erinnern. Vermutlich pflegten auch die Fürsten von Pylos im 16. Jahrhundert v. Chr. engen Kontakt zu den benachbarten Hochkulturen. Zu jener Zeit hatten sich in Griechenland Fürstentümer herausgebildet, deren Herrscher großen Reichtum ansammelten. Am bekanntesten sind die reich ausgestatteten Gräber von Mykene, aber auch in Tiryns oder in Orchomenos und Theben in Mittelgriechenland müssen Herrschersitze existiert haben. An diesen Orten sind noch heute die Ruinen von Burgen, Palastbauten und Tholosgräbern erhalten.

Der Palast des Nestor

Die neu entdeckten Gräber von Pylos befinden sich im Umfeld der Palastruine auf einer Anhöhe mit Blick übers Mittelmeer. Der erste Ausgräber von Pylos, der Amerikaner Carl Blegen, bezeichnete Ende der 1930er Jahre die Reste als »Palast des Nestor«. Er benannte die Ruine nach einem der Anführer der Griechen in Homers »Ilias«. Nestor wird darin als König von Pylos angeführt. Pylos liegt im Südwesten des Peloponnes. Vermutlich war der Ort im 2. Jahrtausend v. Chr. ein wichtiger Anlaufpunkt für den Austausch mit den Kulturen in Italien. Seine Fürsten gelangten wahrscheinlich so zu Reichtum. Das würden auch die neuen Grabfunde nahelegen, sagen die Ausgräber.

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Siegel aus Karneol | In einem der beiden neu entdeckten Gräber in Pylos fand sich ein Siegel aus Karneol. Darauf sind zwei Mischwesen an einem Altar gezeigt.

Schon 2015 war den Archäologen um Jack Davis und Sharon Stocker in Pylos ein sensationeller Fund gelungen: Eher zufällig entdeckten sie damals die Grablege eines Kriegers, der mit Schmuck und Waffen bestattet wurde. Insgesamt 1500 Beigaben zählten die Forscher im Grab des Greifen-Kriegers. Die Ausgräber gaben dem Toten diesen Namen, weil auf vielen Objekten aus dem Grab Greifen dargestellt sind – Fantasiewesen, halb Raubkatze, halb Greifvogel.

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