Direkt zum Inhalt

News: Grabbelblick

Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die am Schreibtisch sitzend immer mit dem Bleistift spielen? Wundern Sie sich nicht darüber - Ihr Gehirn interessiert sich nun einmal brennend für solches Spielzeug. Es erleichtert sich so die schwierige Aufgabe, zielgerichtet danach greifen zu lassen.
Bild
Es ist so verführerisch: Radiergummi, Bleistift, Telefonschnur – zahllose Dinge liegen auf dem Schreibtisch vor uns. Da ist es schwer, dem eigenen Spieldrang zu widerstehen, und oft genug greifen wir unbewusst nach dem Kleinkram: Hauptsache, die Hände sind beschäftigt.

Tatsächlich scheinen solche Dinge unsere Aufmerksamkeit regelrecht auf sich zu ziehen, wie Todd Handy vom Dartmouth College und seine Kollegen herausfanden. Die Wissenschaftler untersuchten, ob Versuchspersonen unterschiedlich auf Dinge reagieren, die sie auf einem Bildschirm betrachten – und zwar in Abhängigkeit davon, ob sie die Objekte normalerweise in die Hand nehmen könnten – wie Schraubenzieher oder Tassen – oder eben nicht.

Diesen Unterschied verrieten sie ihren 24 Freiwilligen, allesamt Rechtshänder, allerdings nicht. Und während die Testpersonen nun Aufnahmen mit Sonnen links und Schraubenziehern rechts oder Tassen links und Segelbooten rechts sowie alle weiteren möglichen Kombinationen betrachteten, erfassten die Forscher die Hirnaktivität ihrer Probanden. Dabei konzentrierten sie sich auch auf Regionen, die normalerweise im Zusammenhang mit dem Greifen nach einem Objekt aktiv werden – mit dem eigentlichen Verarbeiten des reinen Anblicks also gar nichts zu tun haben.

Der Clou an der Sache war jedoch, dass die Teilnehmer sich überhaupt nicht auf die Objekte konzentrieren sollten, sondern nur darauf warteten, dass eines der beiden schließlich von Balken überdeckt wurde. Die entsprechende Position sollten sie dann per Tastendruck mit dem linken oder rechten Daumen anzeigen. Und so offenbarten sie – ohne sich dessen bewusst zu sein –, welchem Objekt sie mehr Aufmerksamkeit schenkten.

Verdeckten die Balken etwas, nach dem es in den Fingern jucken könnte, dann zeigten die Gehirne der Testpersonen eindeutig mehr Aktivität als bei unhandlichen oder zum Hantieren ungeeigneten Objekten – vor allem, wenn sich diese im rechten Gesichtsfeld befanden. Mit funktioneller Kernspinresonanz (fMRI) bestätigten die Forscher außerdem, dass auf rechts präsentierte Schraubenzieher und Co die klassischen motorischen Areale des Gehirns reagierten. Erschienen die Dinge links, rührte sich in diesen Bereichen nichts. Ähnlich bevorzugt wurden Objekte, die im unteren Gesichtsfeld auftauchten, gegenüber Dingen im oberen Bereich.

Es ist schon länger bekannt, dass potenziell anzufassende Gegenstände im Gehirn motorische Areale aktivieren. Unklar war jedoch, dass sie so deutlich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und das auch noch in Abhängigkeit von der Position. Wozu das Ganze? Vielleicht erleichtern sie damit den Prozess, die visuellen Informationen in eine gezielte und durch Beobachtung gesteuerte Bewegung umzusetzen. Und Tests an Linkshändern sollen nun erst einmal offenbaren, ob bei ihnen die Ergebnisse dann spiegelverkehrt ausfallen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte