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Technik: Origami-Greifarm für die Tiefsee

Bisher lassen sich Quallen und andere Weichtiere nur selten lebendig bergen. Ein neues Gerät soll es besser machen, stellen US-Ingenieure in Aussicht.
Origami-Greifarm

Meeresbiologen schätzen, dass es bis zu einer Million unentdeckter Arten in der Tiefsee gibt. Mit Fangnetzen lassen sich jedoch allenfalls wenige Fische und Schalentiere lebend bergen. Quallen und Tintenfische werden bei dem Versuch, sie zu Forschungszwecken zu fangen, hingegen oft getötet. Zwar gibt es spezielle Vorrichtungen, mit denen Tauchroboter solche Lebewesen einsaugen oder in einen Zylinder sperren können. Das birgt jedoch ebenfalls Gefahren für die Geschöpfe, und sie lassen sich damit häufig nur umständlich fangen.

Ingenieure um Zhi Ern Teoh von der Harvard University haben nun einen besonderen Greifarm entwickelt, der es besser machen soll. Fans von »Pokémon« dürften sich dabei an ein Gerät erinnert fühlen, mit dem Helden der japanischen Zeichentrick- und Videospiel-Serie wilde Fantasiewesen ergreifen. An dem Greifarm der US-Forscher sind mit Stangen zwölf Plastik-Fünfecke befestigt, die sich auf Knopfdruck blitzschnell zu einem 20 Zentimeter großen Dodekaeder zusammenfügen – einem symmetrischen platonischen Körper mit 20 Ecken –, das ein Volumen von drei Litern elegant umschließen kann. Das Gerüst ist dabei so konstruiert, dass ein einziger Drehantrieb am Verbindungspunkt der Einzelelemente den Schließmechanismus in Bewegung setzt, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin »Science Robotics«.

Origami-Greifarm in Aktion

Die Forscher haben die ausgefallene Apparatur im Mystic Aquarium in Connecticut erfolgreich getestet, indem sie dort Ohrenquallen fingen und unbeschadet wieder frei ließen. Nach kleineren Änderungen, die das Gerät seetauglich machten, erprobten sie das elektrische Dodekaeder schließlich in der Bucht von Monterey an der Pazifikküste Kaliforniens. In bis zu 700 Meter Tiefe fing der von den Forschern ferngesteuerte Greifarm verschiedene Quallen und Kalmare ein. Teoh und seine Kollegen glauben, dass das Dodekaeder sogar Drücken widerstehen könnte, wie sie in elf Kilometer Meerestiefe auftreten.

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