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Wissenschaftliches Publizieren: Gremium entlastet Fachjournal im Stammzellen-Fälschungsskandal

Ein unabhängiges Gutachtergremium hat nun den Abschlussbericht zum Publikationsprozess rund um die gefälschten Arbeiten des Stammzellenforschers Hwang vorgelegt. Die mittlerweile als Betrug entlarvte und zurückgezogene Veröffentlichung von Hwang und Kollegen im Journal Science hatte zu einem hochbeachteten Skandal geführt. Nun stellt ein sechsköpfiges Untersuchungsteam unter Federführung des Chemikers John Brauman von der Stanford-Universität fest, dass die fehlerhafte Publikation vor der Veröffentlichung mit großer Sorgfalt und entsprechend der hohen Standards der Zeitschrift begutachtet worden ist.

Fehler oder Unterlassungen von Gutachtern oder Herausgebern seien in der Rückschau nicht festgestellt worden. Die Arbeit sei damals vielmehr "sehr viel kritischer durchleuchtet worden, als alle Arbeiten, an denen ich je beteiligt war", meinte Brauman in einer Pressekonferenz zum Thema.

Die Zeitschrift Science sei vorsätzlich und mit großem Aufwand getäuscht worden, heißt es im Abschlussbericht weiter. Derartige Betrugsabsichten seien wahrscheinlich auch in Zukunft durch kein realistisch handhabbares System mit Garantie zu entlarven, befürchten die Autoren, zu denen auch angesehene Stammzellforscher zählten.

Science solle dennoch in einer Kooperation mit anderen renommierten Fachzeitschriften an einer überarbeiteten, standardisierten Prozedur arbeiten, mit der Fälschungsversuche vor einer Veröffentlichung abgeschreckt und mit höherer Wahrscheinlichkeit erkannt werden könnten. Zum Prozedere sollte etwa ein Risikomanagment gehören, in deren Rahmen Arbeiten von hoher Relevanz und erwartungsgemäß großer wissenschaft- und gesellschaftlicher Sprengkraft besonders genau kontrollieren werden sollten. Hierbei sollten die Fachzeitschriften unbedingt auf eine sorgfältige Einsicht in unbearbeiteten Rohdaten bestehen und detailliert festgelegt werden, welche Beiträge die einzelnen Autoren und Koautoren eingebracht haben. Wären diese Mechanismen im Falle der Hwang-Publikation in Kraft gewesen, so wäre der Betrug möglicherweise aufgeflogen, meint Brauman.

In einer Stellungnahme kündigt Donald Kennedy, der Chefredakteur von Science, Gespräche mit anderen Fachzeitschriften über die Übernahme einiger Vorschläge der Untersuchungskommission an. Ein Dialog mit der Wissenschaftsgemeinde sei dabei unverzichtbar, denn eine noch intensivere Prüfung koste Zeit und Geld und werde in Einzelfällen "zu Konflikten mit den Autoren" führen, zitiert Kennedy aus Browmans Abschlussbericht. Dieser Herausforderung müsse sich Fachjournal angesichts der immer ausgereifteren Möglichkeiten, Fälschungen zu produzieren, aber stellen. (jo)

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