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Bronzezeitliches Griechenland: Die Elite trug ein Stück Meteorit am Finger

Mykener und Minoer, die es sich leisten konnten, beschafften sich Ringe mit einer ganz besonderen Zutat. Sie stammte wohl aus Ägypten – und ursprünglich aus dem All.
Ruinen des Palastes von Knossos auf Kreta, Griechenland, bei klarem Himmel. Im Vordergrund sind antike Steinstrukturen und Säulen zu sehen, während im Hintergrund ein restaurierter Teil des Palastes mit roten Säulen und Wandmalereien hervorsticht. Bäume rahmen die Szene ein.
Knossos – hier der rekonstruierte Nordeingang des Palastes – ist das bekannteste Zentrum der bronzezeitlichen minoischen Kultur auf Kreta. Wie ihre mykenischen Nachbarn auf dem Festland schätzten auch die Minoer Ringe aus meteoritischem Eisen.

Was ein edles Metall ist und was nicht, hängt immer auch von den Umständen ab: Am Ende der Bronzezeit war Eisen noch so fremd und exotisch, dass es als Material für besonders kostbare Schmuckstücke taugte – insbesondere, wenn es zuvor vom Himmel gefallen war. Das zeigt eine Studie im »Journal of Archaeological Science«.

Wie Matthieu Gounelle von der Sorbonne in Paris und Eleni Mantzourani von der Universität Athen herausfanden, schätzte die Oberschicht der Minoer und Mykener offenbar Ringe, die Eisen aus Meteoriten enthielten. Das Material dafür könnte nach Meinung der beiden Wissenschaftler aus dem alten Ägypten über Handelskontakte in die Ägäis gekommen sein.

Für ihre Studie untersuchten sie insgesamt 91 eisenhaltige Objekte, darunter Schmuckstücke und Waffen, aus der Zeit zwischen 1800 und 1000 v. Chr. mithilfe der zerstörungsfreien Röntgenfluoreszenzspektrometrie. Vornehmlich interessierten sie sich für einen hohen Gehalt an Nickel, der als Kennzeichen von meteoritischem Eisen gilt.

Fündig wurden sie einzig bei 13 Ringen, die aus herrschaftlichen Gräbern im Kulturraum der beiden Zentren Kreta und Mykene auf der Peloponnes stammten. Das mutmaßlich äußerst seltene Material wurde für die aufwendigen Ringe zumeist mit anderen Metallen wie Gold oder Bronze kombiniert. Viele scheinen als Siegelringe gedient zu haben und waren dazu fein ziseliert worden.

Weniger prächtige Eisenobjekte dagegen hatten keinen Nickelanteil. Ihr Material wurde demnach aus irdischen Erzen gewonnen. Während dieser Frühphase der Eisenverarbeitung brachte man das Metall durch Guss in Form. Wie die Menschen das Meteoriteneisen verarbeiteten, ist dagegen nicht genau bekannt. Auf jeden Fall scheinen sie den Unterschied zwischen beiden Arten gekannt zu haben. Und womöglich wussten sie auch um den außerirdischen Ursprung des Meteoriteneisens, erklären Gounelle und Mantzourani in einer Pressemitteilung.

Der Gebrauch von Eisen nahm in der Ägäis erst ab ungefähr 1200 v. Chr. Fahrt auf, zeitgleich ging die mykenische und minoische Palastkultur zu Ende. Alle untersuchten Eisenobjekte, die auf die Zeit danach datieren, hatten kein Meteoriteneisen mehr – vielleicht weil das Material als Schmuckbestandteil aus der Mode gekommen war oder weil der Handel nach Ägypten eingebrochen war. Vielleicht spielte auch beides eine Rolle.

Für Ägypten als Herkunft spricht zweierlei: Zum einen sind in der kargen Wüste die Meteoriten viel leichter zu finden als in dichter bewachsenen Gegenden. Zum anderen ist bereits bekannt, dass die Ägypter selbst hin und wieder meteoritisches Eisen nutzten. Ein besonders spektakuläres Beispiel fand sich im Grab von Pharao Tutanchamun, der um 1350 v. Chr. starb. Zu seinem Grabinventar gehört ein prachtvoller Dolch, dessen Klinge aus dem kosmischen Metall geschmiedet war.

  • Quellen

Gounelle, M., Mantzourani, E., Journal of Archaeological Science 10.1016/j.jas.2026.106622, 2026

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