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Grönland: Eisschmelze lockt Großwale massenhaft nach Norden

Das Meereis der Arktis schrumpft zunehmend, das Ökosystem ändert sich tiefgreifend. Doch es gibt Tiere, die davon profitieren.
Eine Walflosse ragt aus dem Wasser in einer arktischen Landschaft. Im Hintergrund sind mehrere Eisberge und schneebedeckte Berge zu sehen. Die Szene vermittelt eine ruhige und majestätische Atmosphäre der Natur.
Ein Buckelwal taucht vor der grönländischen Küste ab. Er findet hier nun reichlich Nahrung.

Die Grönlandsee östlich der gleichnamigen Insel gehört zu den sich durch den Klimawandel am schnellsten erwärmenden Meeresgebieten der Erde: Seit den 1990er-Jahren haben sich die durchschnittlichen Wassertemperaturen um zwei Grad Celsius erhöht, während das Meereis in der Region immer weniger Fläche einnimmt und sich weiter nach Norden zurückgezogen hat. Das frei gewordene Wasser lockt inzwischen immer mehr Großwale an, wie eine Bestandsaufnahme von Mads Peter Heide-Jørgensen vom Grönländischen Institut für natürliche Ressourcen und seinem Team zeigt: Die Meeressäuger profitieren von ergiebigen neuen Fischgründen, die sie hier vorfinden.

Die Forscher hatten erstmals im August 2015 und erneut 2024 die ersten systematischen Beobachtungen von Bartenwalen bis zu 50 Kilometer vor der grönländischen Ostküste mit Flugzeugen durchgeführt. Dazu sammelten sie weitere Daten wie Berichte von jagenden Inuit oder Beobachtungen von Schiffen, die bis 1987 zurückreichen. In die Analyse flossen außerdem noch die Wanderungen von 15 Bartenwalen mit ein, die über Satelliten zwischen 2019 und 2025 getrackt wurden. Auf dieser Basis entwickelten die Forscher ein mathematisches Modell, in das weitere Kenngrößen wie Wassertemperaturen, Ausdehnung des Meereises oder der Salzgehalt des Ozeans einflossen. Daraus konnten sie dann die jahreszeitlichen Wanderungen der Wale ableiten und wo sie sich bevorzugt sammeln.

Das Ergebnis war eindeutig: Zwischen 1987 und 2024 haben sich die Regionen, in denen die Wale vorkommen, deutlich nach Norden ausgeweitet. Bis 1995 hatten sich nur einzelne Zwergwale über den 60. Breitengrad nach Norden gewagt: Buckel- und Finnwale wurden bis ins frühe 21. Jahrhundert laut den vorliegenden Beobachtungen gar nicht in diesem Gebiet nachgewiesen. Seitdem hat sich ihre Zahl beständig erhöht. Anhand der Daten schätzen Heide-Jørgensen und Co, dass 2024 jeweils 6000 Zwerg- und Finnwale und 4000 Buckelwale den Sommer vor der grönländischen Küste verbringen – bis in eine Höhe des 70. Breitengrades.

Immer wieder wurden in diesem Jahr Versammlungen von Dutzenden Großwalen beobachtet, die Jagd auf Fische machten. Die Meeressäuger folgten dabei den Lodden (Mallotus villosus) – auch Kapelan genannt: Dieser Fisch bevorzugt kälteres Wasser und wich daher vor den sich ausbreitenden wärmeren Ozeanbereichen nach Norden aus, wohin ihm die Wale folgten. 

Die Studie bestätigt, was vorherige Arbeiten gezeigt hatten: Das Meer östlich von Grönland hat spätestens seit 2003 einen umfassenden Wandel erlebt: Kälteliebende Arten sind verschwunden und wurden ersetzt durch Spezies, die mit wärmeren Bedingungen gut zurechtkommen. Das umfasst große Teile der Nahrungskette, von kleinen Fischen bis hinauf zu Großwalen.

  • Quellen

Heide-Jørgensen, M.-P. et al., Frontiers in Marine Science 10.3389/fmars.2026.1839547, 2026

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