Direkt zum Inhalt

Klimawandel: Grönlands Gletscher fließen schneller

Petermannsgletscher, Nord-Grönland
Die Menge des ins Meer fließenden Grönlandeises hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht, weil sich die Gletscher erheblich schneller bewegen. Die gigantische Eiskappe schwindet hauptsächlich durch das so genannte Kalben an der Küste, also das Abbrechen großer Eisblöcke, die dann als Eisberge auf dem Meer treiben. Bezieht man andere Effekte wie Schmelzen, Erosion und Verdampfen mit ein, verdoppelt sich die verlorene Menge an Gletschereis sogar noch, und der Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg ist erheblich höher als bisher angenommen.

Kalbender Gletscher, Südost-Grönland | Kalbende Gletscherfront des Helheim-Gletschers im Südosten Grönlands. Der Helheim-Gletscher gehört zu den schnellsten Gletschern der Erde.
Eric Rignot vom Jet Propulsion Laboratory und Pannir Kanagaratnam von der Universität von Kansas konnten nachweisen, dass der jährliche Verlust von Gletschereis an Grönlands Küsten zwischen den Jahren 1996 und 2005 von 50 auf 150 Kubikkilometer angewachsen ist. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben sich die ins Meer brechenden Eismassen verdoppelt. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass sich zunächst die Gletscher im Südosten Grönlands schneller bewegten, seit 2000 trifft das auch auf die Gletscher im Norden zu. Nach Ansicht von Rignot und Kanagaratnam verursachen die stärker kalbenden Grönlandgletscher etwa 0,5 Millimeter des jährlichen Anstiegs von drei Millimetern. Die Klimamodelle gehen von derzeit nur 0,3 Millimetern pro Jahr aus.

Die beiden Forscher vermuten, dass die Beschleunigung der Gletscher eine Folge der globalen Klimaerwärmung ist. In den vergangenen zwanzig Jahren ist es im Süden Grönlands um drei Grad Celsius wärmer geworden, wodurch es mehr Schmelzwasser an der Unterseite der Gletscher gibt. Auf diesem Schmiermittel gleiten die Eismassen dann leichter und kommen schneller voran. Den Geschwindigkeitsrekord mit rasanten 14 Kilometern pro Jahr hält der Kangerdlugssuaq-Gletscher im Osten Grönlands. Er verdoppelte seine Geschwindigkeit im Zeitraum von 2000 bis 2005.

Zunächst erarbeiteten die Fernerkundungsspezialisten mit einer Satelliten gestützten Methode – der Radar-Interferometrie – eine Karte der Gletschergeschwindigkeiten. Die Mächtigkeit des Eispanzers bestimmtem sie mit Echolot-Sondierungen von Flugzeugen aus. Anschließend kombinierten sie ihre Ergebnisse mit weiteren Satellitenaufzeichnungen, um eine genaue Massenbilanz für das grönländische Eisschild zu bekommen.

Die Eisdecke Grönlands hat eine Fläche von 1,7 Millionen Quadratkilometern und ist bis zu drei Kilometer mächtig. Ein komplettes Schmelzen des Eises würde den Meeresspiegel um etwa sieben Meter ansteigen lassen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte