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Große Konjunktion: Jupiter und Saturn in inniger Umarmung

Zur diesjährigen Wintersonnenwende gibt es noch ein besonderes Himmelsereignis zu bestaunen: Jupiter und Saturn stehen am 21. Dezember in einer Großen Konjunktion.
Nachthimmel über Schottland vom 17. auf 18. Dezember 2020

Eine astronomische Konjunktion ereignet sich, wenn zwei Himmelskörper von der Erde aus gesehen scheinbar aneinander vorbeiziehen. Damit es zu einer Großen Konjunktion kommt, müssen sich die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems begegnen: Wenn die Bahnen von Jupiter und Saturn überlappen, dann scheinen die beiden Giganten am Himmel zu verschmelzen. Dieses Ereignis lässt sich ungefähr alle 20 Jahre beobachten.

Allerdings sind manche Großen Konjunktionen größer als andere. Wie eng sich die Planeten am Himmel kommen, hängt von der leicht ovalen Form der Umlaufbahnen beider Planeten ab und davon, in welcher Neigung der jeweilige Orbit zum Äquator der Sonne steht. Bei manchen Großen Konjunktionen kommen sich Saturn und Jupiter extrem nahe. In anderen Zyklen wiederum ziehen sie in einigem Abstand aneinander vorbei. (Freilich kommen sich die beiden Planeten in Wirklichkeit überhaupt nicht nahe. Bei ihrem Treffen am 21. Dezember werden sie ungefähr 730 Millionen Kilometer voneinander entfernt sein.)

Bei der letzten Großen Konjunktion am 28. Mai 2000 betrug die scheinbare Distanz zwischen Jupiter und Saturn am Himmel 68,9 Winkelminuten. Das entspricht ungefähr dem doppelten Durchmesser eines Vollmonds. Zum Vergleich: Jetzt 2020 wird die Große Konjunktion – die übrigens mit der Wintersonnenwende, also dem kürzesten Tag im Jahr auf der Nordhalbkugel und dem längsten auf der Südhalbkugel zusammenfällt – nur zirka 6,1 Winkelminuten betragen. Das ist deutlich weniger als die Dicke einer Zehn-Eurocent-Münze, die man eine Armlänge weit von sich streckt und gegen den Himmel hält.

»Jupiter und Saturn sind sehr wahrscheinlich zu sehen, selbst bei leichter Luftverschmutzung – Jupiter strahlt sehr hell«(Patrick Hartigan, Rice University in Houston)

»Wenn Sie ein Teleskop besitzen, können Sie die Ringe des Saturn und die Galileischen Monde des Jupiters nah beieinander zur selben Zeit sehen«, sagt die Astronomin Jackie Faherty vom American Museum of Natural History in New York. Ein Detail macht das diesjährige Himmelsereignis dabei besonders reizvoll: Das letzte Mal, als sich Jupiter und Saturn so nah kamen, ist einige Zeit her. Das war am 16. Juli 1623 der Fall, zu Galileos Zeiten. Der Gelehrte hatte ein gutes Jahrzehnt zuvor erstmals mit einem Teleskop die vier größten Monde des Jupiters entdeckt, die heute nach ihm benannt sind. Es ist aber ziemlich unwahrscheinlich, dass Galileo oder einer seiner Zeitgenossen auch die Große Konjunktion beobachtet hat. Sie war nämlich ziemlich sicher nicht zu erkennen, da sich das Ereignis sehr nahe zur Sonne abgespielt hat. Eine vergleichbare Große Konjunktion wie 2020 war am 4. März 1226 am Himmel zu sehen. »Zur Einordnung: Damals zog Dschingis Khan durch Asien«, sagt der Astronom Patrick Hartigan von der Rice University in Houston.

Die bevorstehende Große Konjunktion können Sie mit einem Fernglas oder einem Teleskop gut beobachten. »Aber das Beste daran ist, dass wir sie auch mit dem bloßen Auge erkennen können«, sagt Faherty. Suchen Sie sich ein Plätzchen, an dem Sie den Sonnenuntergang in freier Sicht am Horizont verfolgen können – ohne Bäume oder Gebäude zwischen Ihnen und dem Himmel. Ungefähr in der Stunde, nachdem es dunkel geworden ist, erscheint als Erster Jupiter am Westhimmel, dann Saturn. Sie zeichnen sich als helle Punkte ab, die anders als die Sterne nicht funkeln. »Sie sind sehr wahrscheinlich zu sehen, selbst bei leichter Luftverschmutzung – Jupiter strahlt sehr hell«, sagt Hartigan.

Obwohl die Große Konjunktion am 21. Dezember stattfinden wird, »sollten Sie schon in den Nächten zuvor beobachten, wie sich Jupiter und Saturn annähern«, meint Faherty. »Sonst ist es so, als würde man von einer Fernsehserie nur die finale Episode anschauen, ohne die vorherigen Teile gesehen zu haben – und dann versteht man nicht, was vor sich geht«, erklärt die Astronomin. »Wenn Sie zusehen, wie sich die beiden annähern, bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie die nächtliche Himmelsmechanik funktioniert.«

Was hat die Antike am Nachthimmel gesehen?

Bei Großen Konjunktionen neigen Forscher dazu, sie mit wichtigen historischen Ereignissen in Verbindung zu bringen. Zum Beispiel hatte Johannes Kepler untersucht, ob der so genannte Stern von Bethlehem, der im Matthäusevangelium die drei Weisen aus dem Morgenland zur Geburt von Jesus führt, eigentlich eine Große Konjunktion war. Kepler berechnete, dass sich um das Jahr 7 v. Chr. eine solche ereignet haben müsste. »Oft versuchen Astronomen Ereignisse aus dem Altertum so zu erklären, dass dahinter ein astronomisches Phänomen zu suchen ist, welches die Menschen einst faszinierte«, sagt Faherty. Nach Ansicht von Hartigan dürfte die antike Große Konjunktion um die Zeitenwende aber wohl nicht besonders auffällig gewesen sein.

Wenn diese Große Konjunktion vorüber ist, müssen Sternenfreunde nicht so lange warten, um die nächste zu erhaschen. Am 15. März 2080 werden die beiden Giganten wieder nur sechs Winkelminuten voneinander entfernt sein. »Ein junger Mensch, der dieses Mal rausgeht, könnte die nächste im Jahr 2080 auch sehen«, sagt Hartigan. »Es ist eigentlich eine schöne Verbindung zwischen den Generationen. Man denkt unwillkürlich daran, dass Menschen sie in der Vergangenheit gesehen haben – und dass Menschen sie in der Zukunft sehen werden.«

Manchen mag die Große Konjunktion in gewisser Weise auch Trost spenden. Darin, dass astronomische Zyklen seit Jahrtausenden ablaufen, ungestört von modernen Zeiten und Entwicklungen. Faherty: »Wir stecken meist in den Dingen fest, die sich in der kurzen Zeit eines menschlichen Lebens ereignen – während in der Astronomie ganz andere Zeiträume verstreichen. Angesichts der vielen Ereignisse zurzeit liefern uns astronomische Zeiten daher vielleicht einen anderen Blickwinkel«.

Anm. der Redaktion am 19.12.2020: Wir hatten die scheinbare Distanz der Planeten falsch mit dem Durchmesser einer Zehn-Eurocent-Münze verglichen. Korrekt ist die Dicke. Wir haben den Fehler korrigiert.

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