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Chronobiologie: Gut gelaunt in den Tag

Twitter verrät: Weltweit sinkt die Stimmungskurve der Menschen im Laufe des Arbeitstags.
Twitter
"Bin heute irgendwie matschig", schreibt DerSchulze, und Pendlomator wünscht einen "Guten Morgen aus der Sardinenbüchse". Kurznachrichten wie diese veröffentlichen Menschen auf dem Mikroblogging-Portal Twitter. Mehrere Millionen solcher Tweets haben US-amerikanische Forscher nun ausgewertet, um mehr über die täglichen Stimmungsschwankungen der Nutzer in aller Welt zu erfahren.

Zwei Jahre lang sammelten Scott Golder und Michael Macy englischsprachige Mitteilungen, die auf der Plattform erschienen waren. Insgesamt 509 Millionen Botschaften von über 2,4 Millionen Nutzern aus mehr als 80 Ländern werteten die Soziologen von der Cornell University aus. Dabei erfasste ein Analyseprogramm die positiven und negativen Gefühlsäußerungen der Twitterer, indem es die Texte nach emotional gefärbten Wörtern durchforstete.

Rund um den Globus zeigte sich ein ähnliches Muster: Menschen wachen morgens gut gelaunt auf; doch im Laufe des Arbeitsalltags verschlechtert sich ihre Stimmung und steigt erst wieder am Abend an. Am Wochenende verbreiten die meisten Twitternutzer zwar im Schnitt mehr positive Tweets. Allerdings verblasst die gute Laune ebenfalls im Tagesverlauf. Das Morgenhoch tritt jedoch knapp zwei Stunden später auf als werktags – vermutlich da viele der Websurfer samstags und sonntags gerne ausschlafen.

Termindruck, Streitereien oder anderer Stress bei der Arbeit könnten zwar aufs Gemüt schlagen. Doch da die Stimmungskurve auch an freien Tagen ähnlich verläuft, beeinflusst nach Ansicht der Forscher vor allem der Erfrischungseffekts des Schlafs und die innere Uhr unsere Stimmung.

Auch den "Winterblues" haben die Wissenschaftler anhand der Meldungen überprüft: Die reine Länge des Tages bestimmt demnach nicht, wie gut gelaunt Menschen sind. Stattdessen machte es einen Unterschied, ob die Twitterer sich im Frühjahr oder im Herbst befanden; wurden die Tage länger, wirkten sie froher, aktiver und enthusiastischer. Allerdings räumen Golder und Macy ein, dass die lexikale Analyse nur erfasst, ob jemand positive oder negative Emotionen ausdrückt, nicht ob er sie auch empfindet. (hd)

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  • Quellen
Science 333, S. 1878–1881, 2011

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