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Sinne: Gute Nachtsicht von Mäusen erklärt

Wie sich die Augen von Nagern an die Dämmerung anpassen, untersuchten nun Wissenschaftler um Klaus Willecke von der Universität Bonn. Sie deckten molekulare Details auf, mit denen das Auge zwischen eher auflösungs- zu eher lichtstarken Sinneszellen umschaltet.

Die Schlüsselrolle spielen dabei "Amakrin-II-Zellen". Diese steuern zum einen, dass in der Dämmerung die Signale der Stäbchen statt die der Zapfen verwertet werden, also die der lichtempfindlicheren Sehzellen, die jedoch keine Farbwahrnehmung erlauben, sondern nur Grautöne wiedergeben. Zum anderen bündeln diese Schaltzellen die Signale mehrerer Stäbchen zu einem, indem sie Kanäle zwischen den Zellen freigeben und diese so zu einem Netzwerk verbinden. Dadurch wird die Auflösung gröber, die einzelnen Pixel dagegen heller, was insgesamt zu einem eher unscharfen, grauen, aber doch erkennbaren Bild führt. Dieser Mechanismus wird auch bei vielen Digitalkameras eingesetzt.

Gesteuert wird diese Vernetzung durch Dopamin, ein Botenstoff, der bei Helligkeit in der Netzhaut gebildet wird. Dieser löst eine Signalkaskade aus, an deren Ende ein Protein eine Phosphatgruppe veranlasst, das Amacrin II zu blockieren. Dazu lagert es sich an einen bestimmten Kanal der Zelle, genannt Connexin 36, an. Wenn bei einbrechender Dunkelheit die Produktion des Dopamins nachlässt, so fallen die Blockaden aus und die Signale werden gebündelt. Fehlen einer Maus diese Kanäle, so hat sie größte Schwierigkeiten sich bei Nacht zurechtzufinden. (eb)

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